Der STANDARD-Podcast über Serien und alles, was dazugehört
00:00:03: Wir melden uns aus der Winterpause mit einem Super-Re-Run.
00:00:07: Pünktlich zum Hochwinter startet im ORF eine neue Staffel von School of Champions.
00:00:13: In der Serie geht es um ein Ski-Gymnasium und um wahr werdende und platzende Karrierträume.
00:00:19: Wir haben bereits zur zweiten Staffel mit Nicola Werdenig einen Reality-Check gemacht, in der Folge könnt ihr also nachhören, ob es bei den angehenden Skistars tatsächlich so rustikal abgeht wie in der Serie.
00:00:33: Achtung Spoiler, teils teils.
00:00:36: Hörst du es Doris?
00:00:37: Nein, was?
00:00:39: Der Berg
00:00:39: ruft.
00:00:40: Aber nur die Besten können ihn bezwingen, bei Abfahrt, Riesentorlauf oder Slalom reussieren.
00:01:07: Und um genau die geht es... In der Serie School of Champions, genauer gesagt, um die jungen Talente in einem fiktiven Elite-Ski-Internat in Gastein.
00:01:17: Die zweite Staffel ist auf OF ON und ab dem XXII Jänner im Fernsehen auf OF I zu sehen.
00:01:24: Ja, und die Skiakademie, wie die Kaderschmiede der Serie heißt, erinnert an das Ski-Gymnasium Stams.
00:01:30: Welche Parallelen es sonst noch zur Wirklichkeit gibt und wo die Fantasie mit den Autorinnen vielleicht ein bisschen durchgegangen ist, besprechen wir mit einer, die es genau wissen muss.
00:01:39: Bei uns im Studio ist Ski-Legende Nikola Werdenick.
00:01:42: Hallo, liebe Nikola.
00:01:44: Hallo, danke für die Einladung.
00:01:46: Interessantes Thema.
00:01:47: Danke, dass er mich gelacht wurde.
00:01:49: An wen könnten wir sonst nehmen?
00:01:52: Liebe Nicola, ganz allgemein gefragt, wie hat dir die Serie bisher gefallen?
00:01:57: Also die erste Staffel hat mir sehr gut gefallen.
00:01:59: Es war irgendwo nicht so, dass ich sagen könnte, dass es komplett an den Haaren herbeigezogen.
00:02:06: Natürlich ist es im Film in einer fiktiven Darstellung nicht so wie in der Wirklichkeit.
00:02:11: Es gab ja eine Stammsdoku, wo die Wirklichkeit genau herausgearbeitet wurde.
00:02:16: Aber wir wissen ja alle, dass im Film halt Dramaturgie auch eine Rolle spielt, die Handlung muss getragen werden.
00:02:22: Okay, es hat dir gefallen mit Abstrichen, bzw.
00:02:24: mit Verständnis, dass es zu einer Überspitzung kommen muss aus dramaturgischen Gründen.
00:02:30: Ja, ich habe die Überspitzungen jetzt vielleicht gar nicht so stark gesehen.
00:02:33: Es sind die Charaktere und die Darstellerinnen und die Jungen ausgezeichnet gefallen.
00:02:38: Und ja, auch die Umgebung wurde ganz geschickt gewählt.
00:02:42: Und natürlich ist die Produzentin Sandra Lahnsteiner selber eine Probe.
00:02:48: Sie kennt die Praxis ganz genau.
00:02:50: Liebe Nicola, du warst bei dieser Serie auch tätig und hast beraten dürfen.
00:02:55: Wie schaut denn oder wie hat denn diese Beratung ausgesehen?
00:02:59: Ja, das hat sehr früh begonnen.
00:03:00: Die Idee kam von einem Drehbuchautor.
00:03:04: dem Clemens auf der Klamm, der auch die Roller Wurzeln hat.
00:03:08: Sein Schwiegervater hat mit Skirinsport zu dunkel, das Trainer auch im USV.
00:03:12: Und das war irgendwie, glaubt, im Jahr zwei Tausend Achtzehn oder so oder vielleicht sogar noch früher, als er mich kontaktiert hat und gesagt hat, dass das Thema Elite-Internate, Skirinsport-Sport, würden interessieren und er hat da so einen groben Rahmen aufgesetzt für eben eine Serie, damals schon eine Serie angedacht, über so ein fiktive Ski.
00:03:33: Gymnasium, das sollte ursprünglich in der Schweiz angesiedelt sein und wir haben da sehr viel hin und her geschrieben und mir sehr oft darum gefragt, wie so eine Handlung transportiert sein könnte denn und wo die Niederlagen und der Marktmessbrauch und alle emotionalen Befindlichkeiten der Protagonistinnen liegen können.
00:03:55: Und so habt ihr miteinander zu tun gehabt und du hast mit ihm Gespräche geführt einfach.
00:04:01: Ja, wir haben sehr viel geschrieben natürlich, weil es um ein Drehbuch gegangen ist.
00:04:05: Wir haben viel telefoniert und dann ist auch und das war eine Freude für mich auch, ein mitentwickelnder Charaktere.
00:04:12: Sehr viel Arbeit gewesen.
00:04:14: Nicht nur die Situationen, sondern auch immer die Frage ja, ist das jetzt realistisch bei einer Aufnahmsprüfung das und das zu machen?
00:04:20: oder wie schaut es im Schulalltag aus?
00:04:23: Okay, aber Clemens auf der Klamm ist das dann nicht, das Projekt nicht zu Ende geführt.
00:04:28: Wie ist es dann da weitergegangen?
00:04:30: Also, was ich von ihm gehört habe, hat er ziemlich zu Ende geschrieben, das Drehbuch oder es weit vorgedrungen und hat dann aufgrund von Unstimmigkeiten mit öffentlich-rechtlichen das ganze Konzept niemanden weitergegeben.
00:04:44: Wie es halt so ist?
00:04:46: Wie es halt so passieren kann?
00:04:47: Dann
00:04:47: ist halt so, ja.
00:04:48: in der künstlerischen Arbeit.
00:04:50: Wenn man jetzt einfach die Zusammenfassung der Staffel eins hernimmt, da gibt es die Polizei, die im Fall eines vermeintlichen Suizids, eines Schülers im Internat vermittelt.
00:05:00: Dann gibt es die Mutter, die dem Schulleiter die Schuld gibt.
00:05:05: Er steht aber nicht nur deshalb unter Druck, sondern es gibt talente Schmiede, das alles macht ihm zu schaffen.
00:05:09: Ebenso gibt es den rebellischen Sohn, der zu jenen jungen Talenten gehört, die sich an der Schule bewerben.
00:05:15: Dann gibt es das absolute Supertalent, dieses junge Mädchen, die in der Wahl, dann gibt es die Darni, die vom Bauernhof kommt und dafür auch ein bisschen, wie soll man sagen, ein bisschen... Nicht ernst
00:05:26: genommen wird.
00:05:27: Nicht ernst genommen wird, das besonders schwer hat, weil die Eltern sich das nicht leisten können.
00:05:32: Die Serie begleitet sie auf dem Weg zur Ski-Renn-Karriere und macht irrsinnig viele Themen auf.
00:05:39: Ja, also die Themen sind vorhanden, wobei in der Realität läuft es ein klein wenig anders und das ist wahrscheinlich auch da mit dem Spannungsbogen geschuldet.
00:05:48: Also wenn man ins Skigemnasium kommt, ist man in der Regel schon irgendwo in einem Landesverband, wenn nicht im ÖSV, in einem Nachwuchskader schon weit vorne.
00:05:58: Die Fehlmeinung, die in der breiten Öffentlichkeit herrscht, dass so eine Schiebgymnasie, Schiefhandelsschulen gibt ja mehrere davon in Österreich und weltweit, dass die eben jetzt zum Rennlauf ausbilden, das stimmt so nicht.
00:06:12: Man kommt dort nur hin, wenn man schon bereits mit mindestens einem Fuß gut verankert ist im Rennlauf.
00:06:18: Du hast ja schon gesagt, das Gesamtbild des Jahres ist relativ realistisch, aber eben, es gibt so ein paar Sachen, die nicht ganz der Wahrheit entsprechen.
00:06:25: Was mir da im Kopf geblieben ist zum Beispiel ist, dass bei der Aufnahmerennen, also Bewerbungsrennen, da irgendwie Kommentator angebt und irgendwie großes Publikum, also für mich als Leie wirkte das nicht ganz so realistisch.
00:06:37: Wiesen, das wirklich.
00:06:39: Ja, das läuft einfach wie ein Trainingslauf ab und da ist kapreite Öffentlichkeit dabei.
00:06:45: Oder auch dann, wenn wir uns erinnern an die Szene der Auswahl, wer jetzt wieder in den Jahrgang genommen wird, stehen die einfach bei so einem Whiteboard und schreiben der Namen drauf und sind da zu dritt, die das einfach nach gut dünken, irgendwie auswählen, kriegt man den Eindruck, das ist hoffentlich schätze ich mal auch nicht so, oder?
00:07:00: Das ist überhaupt nicht so, das ist immer irgendwo eine Kommission oder mehrere Personen und das wird auch nicht auf einem Whiteboard jetzt so aufgeschrieben und das läuft schon ein bisschen anders ab.
00:07:12: Professioneller
00:07:12: vielleicht könnte man sagen.
00:07:14: Ja, wobei man sich da auch nicht der Illusion hingeben darf, das alles.
00:07:18: Aber es läuft total professionell.
00:07:20: Natürlich muss man in solchen Schulumgebungen auch improvisieren.
00:07:24: Und gerade in einem Sport wie dem Skifahren, wo man so viel unterwegs ist und in Hotels dann teilweise zusammenkommt, ist das improvisieren immer ein Thema.
00:07:34: Du hast ja am Profi-Ski-Sport unlangs eine Kritik geäußert und so hast du gesagt, das verkommt immer mehr zum Hallmarktevent.
00:07:41: Glaubst du, dass solche Serien auch Dazu ein Stücker, was beitragen.
00:07:47: Das glaube ich jetzt nicht.
00:07:48: Ich glaube, dass es aufgrund von solchen Serien keine Entscheidungen für oder gegen Rennsport von jungen Leuten geben wird.
00:07:56: Wie gesagt, die Sinnen am Alter jetzt, das ist Oberstufe.
00:08:00: Die Entscheidungen, ob Kinder zum Rennsport kommen, die fallen wesentlich früher.
00:08:06: Das sind oft nicht die Entscheidungen der Kinder, sondern der Eltern, die bereits im Kindergartenalter schienen liegen.
00:08:13: Was ja in der Serie allgegenwärtig ist, ist der kommerzielle Faktor oder das ökonomische, was beim Rennsport natürlich eine große Rolle spielt.
00:08:20: Verkörpert wird das Ganze durch Helmut Schistl, Skiliftbetreiber und Mitbegründer der Schule in der Serie.
00:08:27: Er wird gespielt von Gregor Seeberg.
00:08:29: Wie ist ihn in der Realität der Einfluss solcher Persönlichkeiten einzuschätzen?
00:08:33: Ja, also im Schulbetrieb wieder nicht, weil das sind ja zum Teil Organisationen.
00:08:39: die auf staatlicher Basis funktionieren, wie Ski-Gymnasium, Stammseser-Bundes-Gymnasium oder auf Länderebene.
00:08:46: Natürlich braucht es immer wieder Sponsoren, aber so wie den Herrn Schießgliese, den Herrn Hörl da ein bisschen drinnen auch, der Schmunzeln müssen.
00:08:56: Was sind
00:08:57: da die
00:08:57: Parallelen?
00:08:58: Ganz einfach, dass man halt nur auf die Leistung den Rennsport als Zugpferd für Tourismus und Ausbau von Infrastruktur setzt, was in der Realität ja nicht wirklich vorhanden ist.
00:09:13: Der Rennsport spielt für den allgemeinen Skitourismus relativ wenig Rolle.
00:09:19: Also hinter nördlich vom München kennt ja niemand mehr irgendwie Rennläuferinnen und Ergebnisse.
00:09:26: In der Serie ist ja der Schisel auch dann involviert in der Auswahl und sagt na die Dani Strobel müssen wir da reinbringen, dass wir jemanden lokalen drinnen haben und so.
00:09:35: Also das ist komplett an den Haaren herbeigezogen, dass sowas wirklich passiert, eine Einmischung.
00:09:41: Ja, ich glaube ja, beim Schießtel, die Figur Schießtel, ist ein bisschen ein Konglomerat aus dem Verpanzpräsidenten, der dahinter steht.
00:09:50: Also ich sehe auch ein bisschen Schröcksnadel jetzt drin.
00:09:54: Also für mich ist eine Mischung als Schröcksnadel höher.
00:09:59: Lecker!
00:10:00: Ich finde es aber ganz gut, dass es diese Figur gibt, weil es heute wieder irgendwo die österreichische, nationalheilige Kuh des Schiefern in seiner Facette und mit seinen Erdtömern auch darstellt.
00:10:13: Und für affektive Geschichte findet die Figur jetzt nichts von daneben.
00:10:18: Und vor allem Seeberger spielt es auch ganz lustig, finde ich.
00:10:21: Ja, es war sehr plakativ, warum es da geht in dieser Figur, der ja auch immer sehr auf Image und PR den Fokus legt.
00:10:29: Und eben aufs Finanzielle, da möchte ich auf die Skimake Slope zu sprechen kommen, die ... in der Serie als Finanzier für das Internat auftritt, aber auch als Sponsorpartner für die jungen Talente.
00:10:42: Damit einhergehen strenge Verträge, da gibt es zu Szenen, wo die Eltern abwägen.
00:10:46: sollen sie das jetzt machen, die Unabhängigkeit aufgeben für quasi die finanzielle Entlastung, die damit verbunden ist.
00:10:53: Wie läuft denn sowas in der Realität ab, wenn da ein potenzieller Sponsorpartner daherkommt?
00:10:58: und worauf muss man da achten?
00:11:00: Na ja, es gibt eigentlich das gegenteilige Problem.
00:11:03: Es gibt ja kaum mehr Sponsoren, die im Nachwuchsbereich für Sponsortätigkeiten da durchführen.
00:11:10: In erster Linie ist das Ganze fürchterlich teuer für Eltern bis Kinder mal irgendwo auf einem Level von Europacup beispielsweise unterwegs sind.
00:11:18: Also zum Teil kaufen die Eltern ja die Skisäle.
00:11:21: Also kann man nicht vorstellen, dass Skifirmen heute noch irgendwo in solchen skispezifischen Bildern Anstalten kommen und die Kinder mit Verträgen überschütten wollen.
00:11:33: Allerdings, in meiner Zeit war das schon nach meiner Zeit, die liegt jetzt fast fünfzig Jahre zurück oder länger sogar, da gibt es einen prominenten Schulkollegen von mir, den Harte Weirater, der fuhr von der Skihauptschule im Beautostop zum Kneißel nach Kufstein und hat sich dort als vierzehnjähriger einen Vertrag ausgehandelt.
00:11:53: Wahnsinn.
00:11:54: Damals war das schon noch so, dass die Skifirmen hat zumindest Material zur Verfügung gestellt haben.
00:12:00: Aber das heißt, die Eltern verschulden sie da heutzutage, müssen Kredite aufnehmen oder ist das dann vielleicht auch quasi nur wer sie es leisten kann, wer einen gewissen finanziellen Background hat, kann dann auch diesen Werdegang einschlagen?
00:12:12: Ja, man sieht den Trend ganz stark jetzt.
00:12:15: noch nicht ganz so stark bei uns in Österreich für einfach Vereinsstrukturen und ein Basis noch da ist, aber ganz stark sieht man es zum Beispiel in Italien.
00:12:24: Das sind alles Kinder aus vermögenen Familien rund um Mainland, Bergamo und es werden eigentlich immer weniger so.
00:12:32: Südtiroler Danes kommen nicht an.
00:12:35: Also die Bauern Kinder, die halt früher alles geprägt haben überall, weil's halt am Land und am Berg groß geworden sind, die werden mehr und mehr zurückgedrängt, was ist die, ich dann einfach nicht mehr leisten können.
00:12:47: Sehr interessant, ja.
00:12:49: Apropos Sponsoring sind euch die vielen Produktplatzierungen in der Serie aufgefallen?
00:12:54: Ja, die waren schon, die waren schon.
00:12:56: Das
00:12:57: Interessante ist, der ORF darf das ja, wenn es sozusagen mit dem Inhalt in Verbindung steht, ja, und das ist ja ganz offensichtlich, wobei eben halt teilweise man sich schon denkt, ja, also ich glaube, das ist Teilweise könnte man schon sagen, das ist grenzwertig, oder?
00:13:13: Ja, am absurdesten fand ich ja den Thermomix der Küche, der Familie, das verstorbenen Schüler, ganz gut sichtbar platziert war.
00:13:20: Aber zu diesem Thema werden wir noch eine eigene Folge machen, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen.
00:13:24: Ja, genau.
00:13:25: Also nicht der Thermomix, sondern Product Placement ist auf unserer Liste ganz oben.
00:13:31: Aber bleiben wir noch bei der School of Champions.
00:13:33: Die Serie thematisiert den Druck, dem die Schüler ausgesetzt sind.
00:13:38: Wie enorm ist er?
00:13:39: Wirklich, wenn man als junger Mensch am Weg zur Skiren-Karriere ist.
00:13:43: Du sagst, die Wurzeln wären schon im Kindergarten gelegt.
00:13:45: Wie geht es dann weiter?
00:13:48: Naja, es ist eigentlich so, dass man mit vierzehn, fünfzehn, sechzehn diesen Druck gar nicht mehr so wirklich wahrnimmt, weil der ja einfach zum Leben gehört.
00:13:56: Man muss sich das vorstellen, das ist wie bei Kindern, die früh zum Palett kommen oder irgendwo zu Gymnastik oder zum Tennis gebracht werden.
00:14:05: Und man wird ja mit diesem System sozialisiert.
00:14:08: Zuerst sind halt ein paar Kinderinnen, dann kommen die ersten Trainingskurse und mit der Intensität steigert sich natürlich auch das Selbstverständnis von diesem Ausdruck in der Soziologie.
00:14:21: Das sind Systeme mit totalen Tendenzen.
00:14:24: Man ist abgeschlossen, man trainiert nur mehr in diesem Kreis, man verbringt dann, wenn man in die Schule geht, auch die Zeit dort und man reißt gemeinsam, man fährt zu Wettkämpfen, also man spürt den... Druck gar nicht so sehr, wie man dann, so aus meiner Position, weil jetzt sehr viel auch mit Leuten, die halt dann nicht so gut aussteigen, denen es nicht so gut geht, am Ende der Karriere oder mitten drinnen auch zu tun hat, man realisiert das gar nicht so sehr.
00:14:53: Die Soziologie sagt, die zwanglosen Zwänge passieren da.
00:14:57: Ja, und denen muss man sich stellen, man merkt es nicht mehr, wer bleibt denn da über dann eigentlich?
00:15:03: So wie wir ja auch in der Serie sehen und du sagst, das ist durchaus realistisch, bleiben ja manche auf der Strecke.
00:15:08: Was sind dann die, die überbleiben?
00:15:11: Ja, das ist unterschiedlich.
00:15:13: Wir haben die spitzen Ausnahme der Talente und Könnerinnen.
00:15:17: Die haben irgendwo ein Sonderstatus in diesem Getriebe.
00:15:20: Das sind ganz wenige.
00:15:21: Also spielt Talent schon noch eine Rolle?
00:15:24: Na ja, es spielt Talent eine Rolle.
00:15:25: Es spielt natürlich, wie sind die, die von vorneherein gefördert?
00:15:29: Welche Ausrüstung haben die?
00:15:31: Also, ich würde mal sagen, Die Ausnahme der Lente, so wie Schiffrin oder das vielleicht auch Marcel Hirscher oder in meiner Zeit Annemarie Mosa-Proll war, die sind relativ dünn gestreut und die sind ein bisschen aus diesem System heraus.
00:15:45: Die können sich auch privat drehen und dann leisten.
00:15:47: Das wird ihnen zugestanden.
00:15:49: Der große Teil ist dann in diesem Gefüge drinnen.
00:15:53: Da redet es jetzt nicht nur von Schulen, sondern wie eben dieser Ski-Leistungssport funktioniert.
00:15:58: Und dann gibt es solche, die da ausbrechen wollen aus diesem System, die sich dann zum Teil als Anfang der Riebel aufführen.
00:16:06: Bode Mila war so jemand.
00:16:07: Der war aber auch ein großes Talent.
00:16:09: Riesentalent, da muss die andere Wege gehen.
00:16:13: Rainer Schönfelder hat sich irgendwo als Spaßvogel behauptet, aber das hält meistens nicht lang.
00:16:20: Strategien irgendwann einmal bricht das zusammen.
00:16:23: Das wäre dann so der Nicky Auer in der Serie,
00:16:25: oder?
00:16:25: Der ist da kein Gefluss, also
00:16:28: das Bild.
00:16:29: Okay, was es noch gibt, wird in der Serie ganz stark thematisiert, das ist das Thema Drogen.
00:16:35: Und zwar durchaus zum Zweck der Selbsttherapie, also egal, ob es jetzt eine Erleichterung ist, die man sich verschaffen will oder man will halt wirklich irgendwie auch die Ziele ansteuern.
00:16:45: Da geht es um Alkohol, es geht um Marihana und es geht um Schmerzmittel.
00:16:48: Spielt das die reale Situation wieder?
00:16:51: Also in Bezug auf in Richtung Doping gehen, da haben wir ja ein Riesenproblem, weil ganz einfach das beginnt und das ist nicht nur im Sport so, sondern Eltern geben halt irgendwo ja nicht mehr die Vitamine und nehmen das und mit dem geht es da besser und da kannst du dich besser konzentrieren.
00:17:07: Das spielt natürlich im Sport eine Riesenrolle und dann ist ja Sport sehr oft mit Verletzungen und Schmerzen verbunden und natürlich gibt es da auch Schmerzmittel.
00:17:18: So wie ich das weiß, schaut man jetzt in den skispezifischen Schulen schon auf die Gesundheit der Kinder viel mehr.
00:17:25: Aber natürlich gibt es dort, wo junge Leute in Ausräte, in Ausprobierendgrenzen finden, dass man eben Alkohol oder ein Gras konsumiert wird.
00:17:34: Warum so ist das ausgerechnet bei Sportlerinnen nicht gegeben?
00:17:38: Aber eben vielleicht, weil der Druck so groß ist, dass man dann sich da reinflüchten muss.
00:17:41: Das ist dann kein Motiv.
00:17:44: Man weiß zum Beispiel, dass gewisse, sage ich mal, Branchen besonders anfällig sind und ganz besonders die, die irgendwie, ich weiß nicht, frohe oder so, wir sagen mal gute Laune versprechen.
00:17:53: Also, ich glaube, keine Musiksparte ist dermaßen mit Drogen zugetrönt, ja, wie der Volksmusik-Teil, oder?
00:18:01: Ja, also das spielt im Sport schon nicht so die große Rolle, weil erstens einmal gibt es schon Kontrollen jetzt auf dem Level der Jugendinnen noch nicht so sehr.
00:18:10: Aber es ist ja natürlich auch mit sich mit Drogen voll zu trönen, ist ja nicht leistungssteigend.
00:18:16: Das heißt, man kann nicht sich permanent voll trönen und dann wieder runterholen.
00:18:20: Also der Körper ist ja kein Maschinen.
00:18:22: Das ging aber früher schon.
00:18:24: Ich erinnere mich an legendäre Geschichten über Anne-Marie Moser-Proll, von denen erzählt wurde.
00:18:30: unbestätigt natürlich, dass sie das morgens vor einem Rennen sie am Sessellift noch eine eine zogen hat und das Gasselbier war dann danach glaube ich auch nicht weit oder so irgendwie oder?
00:18:41: Ja, gerade in dieser Zeit, als ich aktiv war, das war eben, da ist irrsinnig viel Alkohol geflossen.
00:18:48: Fast jede hat geraucht, weil es dazu gehört hat.
00:18:52: Und natürlich, also die Anne-Marie, die war so Ausnahme-Talent, die konnte besoffen am Stark gehen.
00:19:00: hat gewonnen.
00:19:00: Also er hat drei Tage durchgemacht und hat uns abgehängt.
00:19:03: Das war dann ein Bitter, wenn man um zehn am Abend ins Bett ging und irgendwo diese Disziplin dann nicht zum Erfolg führte.
00:19:12: Wir
00:19:12: lachen heute drüber, aber wir wissen natürlich auch dank dir, liebe Nicola, dass es nicht ganz so eine lustige Zeit war.
00:19:19: Damals ja, wie wir jetzt gerade drüber reden.
00:19:23: Ja, wobei jetzt, ich differenziere auch, für mich war die Zeit im Ski-Gymnasium, das war schon eine lustige Zeit und das war eine schöne Zeit.
00:19:30: Und die hat sich auch nicht vermischt mit dem Nationalteam.
00:19:33: Das ist vielleicht in der Serie geht es auch nicht so ganz hervor, sondern das ist ein bisschen getrennt, weil man ja, wie in der Wirklichkeit, man ist ja schon in einem Kader, sei es Landeskader oder Nachwuchskader.
00:19:46: Und dann kommt man in die Schule nicht, um ausgebildet zu werden, sondern eben um die Schule.
00:19:51: Abschlüsse zu absolvieren, neben dem Rennen fahren.
00:19:54: Und da ist in der Bevölkerung oft, da ich glaube, ich stecke mein Kind ins Ski-Gymnasium und dann wird schon irgendwas Tolles rauskommen.
00:20:02: So ist das nicht.
00:20:03: Und deshalb ist in solchen Schulen auch das Sozialgefüge oft einmal für Leute, die im Rennen getriebe in einem Nationalteam oder irgendwo drinnen stecken, so eine feine, feine Umgebung, um sich unter Gleichaltring zu sozialisieren.
00:20:19: Du hast es jetzt schon angesprochen, missbräuchliches Verhalten.
00:20:23: Gab es aber schon in diesen Schulen, also auf Skigemnasium stammens, kennt man ja da dieses... passt dann einem sexualisierten Gewaltakt bei dem ältere Schüler, jüngeren Schülern, Zahnbaster oder andere Tubenannal eingeführt haben, ganz schrecklich.
00:20:37: In der Serie wird das Thema noch minimal gestreift.
00:20:39: Da gibt es irgendwie das Wort Tube als Gerücht, das mal vorkommt.
00:20:43: Und diese sogenannten Initialriten werden da auch nur sehr milde dargestellt, also da werden die irgendwie in Schnee eingribbelt und so.
00:20:50: Also, wie siehst du, du hast jetzt gesagt, du hast gute Erinnerungen an deiner Zeit in der Schule, aber ist das eine Verharmlosung, wie das in der Serie da geht?
00:20:57: gestellt wird.
00:20:58: Also ich glaube, dass es den aktuellen Stand sehr gut widerspiegelt, weil diese Sachen sind ja im Zuge der ganzen Aufarbeitung ab dem Jahr zwei Tausend Siebzehnte sehr publik geworden und ich habe immer wieder Kontakt mit Leuten, die in Schulen zuständig sind.
00:21:15: und seitdem dass angesprochen wurde, hat sich da vieles verändert.
00:21:20: Also es ist ja immer so, wenn Gewalt angesprochen wird oder Machtmessbrauch, dann geht das dramatisch zurück, sobald darüber kredet wird.
00:21:27: Also ich glaube, wie ich es höre von zuständigen Schulen, ist das in der Serie eigentlich irgendwo so... Status quo, wie es jetzt ist.
00:21:36: Gott sei Dank.
00:21:37: Wie sehr sagst du, durch meine Schilderungen hat sich so viel geändert.
00:21:42: im Skisport, nicht nur im Skisports, muss man ja auch sagen, dass so viel aufgebrochen mit deiner Geschichte und mit deinen Beobachtungen, die du eben damals im Standard erzählt hast, wie sehr rechnest du dir auf deine Kappe, dass du sagen kannst, okay, da hat sich jetzt wirklich so viel geändert, dass man es sogar in einer Serie auch nicht mehr zeigen kann.
00:22:02: Na ja, also das Ganze, was im Standard losgetreten wurde, das ist für mich immer wieder dieser Schneepal.
00:22:09: Und die Lawine wurde dann eigentlich durch die Funktionäre losgetreten, die sich halt völlig falsch verhalten haben.
00:22:15: Im Nachhinein bin ich ihnen sehr dankbar, weil das werden hier ein internationales Thema geworden.
00:22:20: Und dann sind ja sehr schnell sehr viele, die das auch betroffen hat, auch nach außen gegangen.
00:22:27: Also alleine kann man das nicht machen.
00:22:29: Ich war halt irgendwo die erste, die einen Schnippel in der Hand guckt hat.
00:22:32: Ja, aber eben, genau, die muss es ja mal geben.
00:22:35: Ich mag es nicht auf meine Kappe allein nehmen, weil es einfach so viel gebraucht hat.
00:22:40: Und weil wir ja auch nicht nur in Österreich so Gemeinschaften gefunden und gegründet haben, sondern das ist jetzt weltweit irgendwo.
00:22:48: Das ist Kanada, die amerikanischen Tournerinnen.
00:22:51: Zwei Jahre nach dem Monologue im Standard kam dann das französische Team.
00:22:57: Da ist das schon ganz anders abgefedert worden.
00:23:01: Es kommt ja immer wieder, wenn ein Fall in die Öffentlichkeit kommt, so wie jetzt, dann kommt wieder ein ganzer Schwarm nach, der sich dann öffnet
00:23:12: auch.
00:23:12: Glaubst du, dass es jetzt aus aktuellen politischen Entwicklungen, in denen wir gerade sind, so etwas gibt wie einen Backlash, gibt es die Gefahr?
00:23:20: Also wir haben ja alle dafür gekämpft, dass wir diese Vertrauen stellen.
00:23:23: Vera jetzt im Speziellen, im Sport, läuft die Wahnsinnig gut, dass wir die Gründen, das war irgendwo ein Schulterschluss von fast allen Parlamentsparteien damals der Beschluss.
00:23:34: Und natürlich, was jetzt politisch auf uns hereinkommen kann, das wissen wir nicht.
00:23:40: Ich habe jetzt gerade mit den Zuständigen von Vera gesprochen, mit der Claudia Koller, also das Budget für das nächste Jahr steht, Gott sei Dank schon.
00:23:48: Diese kurze Zeit wird überprückt, aber was kommt, das weiß man nicht.
00:23:52: Wenn nix kommt, dann gibt's einen Aufschrei.
00:23:54: Sagen wir so, oder?
00:23:55: Ja, wir sind eh gut im Schrei.
00:23:57: Sehr gut.
00:23:58: Also missbräuchliches Verhalten von Seiten des Schulpersonals wird in das Jahr hier anhand eines Beispiels gezeigt.
00:24:04: Nämlich dem Trainer Feighofer, der nämlich Fotos von dem Ausnahmetalent Naval macht.
00:24:10: Weil er jetzt gesagt hat, es ist überspitzt gezeichnet, aber für mich war das recht wage irgendwie und recht milde.
00:24:15: Aber das heißt, das ist auch realistisch so.
00:24:18: Na ja, es gibt Machtmessbrauch überall dort, wo ein Machtgefälle ist.
00:24:23: Und es gibt es auch in Skiinternaten und Ski spezifischen Schulen.
00:24:27: Die Übergriffe, das geht ja nicht so, dass da plötzlich eine Vergewaltigung da ist.
00:24:32: Das ist ja immer so ein sogenanntes Grooming.
00:24:35: Da werden die jungen Leute dann irgendwo separiert und sitzen dann nur zu zweit in einem Videokammer.
00:24:41: Dann werden die Eltern bei der Stange gehalten, indem gesagt wird, ja, du hast deine Tochter so in Talent und die Gehör gefördert, ich gehe mir die jetzt privat trainieren.
00:24:51: Also wie viel man da zeigt.
00:24:53: ist immer so Geschmackssache, eigentlich.
00:24:55: Aber was ich wichtig finde, auch wenn in solchen Serien drauf hingewiesen wird, und das ist ja drinnen, dass die Vorgeschichte, bevor es einmal überhaupt zum Übergriff kommt, die ist wichtig, weil da kann man noch mit der Prävention ansetzen, bevor was Schlimmes passiert.
00:25:10: Vielleicht hätte man ja auch das Thema, die sehen können, dass es so Anlaufstellen gibt, weil mir kommt vor die Nawal, dass da irgendwie, weiß auch nicht, wohin mit dieser Geschichte.
00:25:18: Ja, wie gesagt, man könnte natürlich viel reinpacken, aber wie das jetzt nicht als Kritik, man weiß es nicht, es ist ja nicht ein educational Film, der jetzt alle Probleme lösen soll.
00:25:29: Also ich sehe das schon ein, dass unterhaltsame Serien halt irgendwie der Spannungsbogen, der Handlungsbogen.
00:25:38: Ich finde die Figuren eigentlich ganz gut ausgearbeitet, ehrlich gesagt.
00:25:41: Ich finde zum Beispiel auch den Trainer sehr okay, weil ich sehe den nicht nur als böse.
00:25:45: Also der hat ja auch gute Ergebnisse, also wie er es macht.
00:25:49: Und ich kann jetzt sagen, ja natürlich ist es hart, wenn die Schülerinnen die Skischanze runterfahren lassen.
00:25:55: Aber wahrscheinlich ist sowas auch notwendig, weil die müssen sich tatsächlich mal überwinden und so irgendwie.
00:26:01: Und vielleicht braucht man wirklich als junger Mensch auch manchmal eben halt diese Motivierung.
00:26:06: der Härte zu sagen, so und jetzt schüsse ich da auf und fass runter und ausfertigen.
00:26:10: Aber
00:26:11: er motiviert sich nicht, er macht ihnen halt Angst.
00:26:13: Ich weiß nicht, ich habe so, so habe ich es nicht gesehen, weil wie die unten waren, ja, war es schon irgendwie so ein Punkt der Selbstüberwindung.
00:26:22: Und ich glaube, wie überbindet man sich selber, ja, kann ich jetzt irgendwie sagen, er ist sehr lieb zu mir und ich fall's darunter.
00:26:29: bei einem Gefälle von, ich weiß nicht, um zu sagen, um zu sagen, ich brauche doch einen A-Stritt oder nicht.
00:26:34: Das ist unterschiedlich, ich glaube, das ist einfach... Menschen unterschiedliche Motivationen brauchen.
00:26:41: Ich neige und den Tieren eher zum Positiv motivieren und Mut machen.
00:26:46: Es gibt natürlich, man hätte einfach dann sagen, du musst jetzt.
00:26:50: Mein Ansatz von Coaching ist eher bei schön langsam und den Selbstwert steigern und nicht irgendwo gleich die Schneide abkaufen und du musst.
00:26:59: Ja, es ist eher auch eigentlich mein Zugang.
00:27:01: Und ich weiß ja auch, wir wissen, wir sind gemeinsam schief angegangen.
00:27:04: Wahrscheinlich mit dem Anstritt hättest bei mir.
00:27:06: nichts erreicht.
00:27:08: Aber mit deiner speziellen Methode, die ich hier an dieser Stelle nur höchstens anpreisen kann,
00:27:15: die
00:27:15: Nikola lehrt Skifahren so, dass es nämlich wirklich Spaß macht.
00:27:19: Oder hat gelehrt, machst du es noch?
00:27:21: Nur mein ganz, ganz vereinzelt, aber mir macht so viel Spaß.
00:27:25: Und ich kriege mir auch schönes Feedback für jemand.
00:27:28: Also mein Partner, der ist dreißig Jahre nicht schick geworden.
00:27:31: Als Binskauer hat er dann sich wieder aufs Schick gestellt und dann hat er gesagt, das war einfach so schön.
00:27:37: Du hast mir nur drei Fragen gestellt.
00:27:39: Was machst du da mit deinem Arm?
00:27:40: Wie ist das und das?
00:27:42: Und auf einmal ist es wieder gegangen.
00:27:44: Und wenn ich das Feedback kriege, dann ... kriege Feedback zu meinem Lieblingstun und das ist halt vermitteln von dem, was ich selber so gern tue.
00:27:51: Absolut, ja.
00:27:52: Ich wollte nur noch sagen, eben zur Serie, zur Kritik an der Serie, was mich dann gestört hat, ist, dass es einfach teilweise zu viel war, ja.
00:27:59: Also du hast irgendwie, ich weiß nicht, die Dane, die sozusagen vom Bauernhof kommt und wird gedießt, dann wird sie eben halt auch nicht, das ist ja alles nachvollziehbar, aber dass sie dann sozusagen auch noch in dieser homosexuellen Geschichte, also mit der Nabeil irgendwo drinnen ist, ja, war es noch alles, ja.
00:28:14: Also das finde ich ein bisschen überdramatisiert und da hätte man vielleicht tatsächlich noch ein paar Gänge runtergehen können oder die woanders verteilen.
00:28:25: Wir haben jetzt in der zweiten Staffel auch wieder eine homosexuelle Geschichte.
00:28:28: Gibt es da nichts anderes?
00:28:30: Bevor wir zu dem Thema kommen, Diversität wollte ich noch ganz kurz bei den Tränern bleiben, weil wir da jetzt auch schon über die unterschiedlichen Ansätze gesprochen haben.
00:28:38: Und das finde ich eigentlich ganz gut, wie das gezeichnet wird.
00:28:41: Diese zwei Pole.
00:28:42: einerseits haben wir den Feighofer, der irgendwie so diese toxische Männlichkeit verkörpert, was ich total blöd finde.
00:28:49: Prinzessin nennt den GWG zum Beispiel und sie dann knadenlos trillt und auch irgendwie die Autorität, die aus seiner Chefin untergräbt.
00:28:57: Nämlich der Chef-Trainerin Franziska Huber, die quasi die andere Seite der Medaille zeigt, nämlich einen ganzheitlichen empathischen Ansatz verfolgt.
00:29:06: Wie ich auch herausheare, Nikola, dass du da auch wahrscheinlich eher dort dich positionieren würdest.
00:29:11: Wie ist das in der Realität verteilt?
00:29:12: Sind noch viele von diesen Oldschool-Trainer unterwegs oder verkörpers du da eher einen modernen oder zeitge- der jetzt in der breiten Masse verfolgt wird.
00:29:21: Also in den Schulen sind eigentlich schon sehr aufgeschlossene, gut ausgebildete Leute, weil sie da auch alle irgendwo ein Studium machen, Sportwissenschaften oder Physiotherapie oder halt nicht einfach nur auf Basis von dem, dass sie selber gut schief an daherkommen.
00:29:38: Nationalteam.
00:29:39: Gibt es momentan, kann ich nur kritisieren, wenn man mit den Frauen umspringt.
00:29:44: Also das ist für mich ganz entsetzlich, zuzuschauen.
00:29:47: Die werden runtergemacht, die verlieren ihr Selbstwerkgefühl, dass das das im Jahr- und-zw.
00:29:53: so sein kann, das kann ich nicht verstehen.
00:29:55: Das
00:29:55: ist meine nächste Frage.
00:29:57: Zum aktuellen Zustand des Alpinenski-Reinlaufs im Darmenteam.
00:30:01: Da gibt es zum Beispiel einen ÖSV-Trainer, der Läuferinnen-Schweine-Lehmung vor laufender Kamera bescheinigt.
00:30:07: Dann gibt es einen anderen Trainer, der angesichts von Erkältungen im Team sagt, sie sollen sich nicht so anstellen.
00:30:14: Hat der ÖSV ein Problem mit seinen Umgangsformen?
00:30:18: Also, mich verwundert es ja, weil es ist nach Schrücksnadel die Kospeter Stadtlober als Frau dort.
00:30:23: Allerdings glaube ich, sind diese patriarchalen Strukturen so weit gefestigt nach hundertzwanzig Jahren, dass selbst auch Präsidentin an der Spitze jetzt nicht sofort umgrimpeln kann.
00:30:35: Mir ist es unverständlich, wenn man Leute gewähren lässt, die zu Frauen.
00:30:40: sagen, die haben die Schweinelehmung.
00:30:41: Wir wissen, dass immer wieder irgendwelche Covid-Fälle oder schwere Verkühlungen auftauchen.
00:30:47: Also ich leute dann geschwächt an den Staat begeben und auch schwer verletzen.
00:30:51: Also der ganze Rennkalender ist ja kein Honigleck mehr.
00:30:55: War es nie, aber wird immer schlimmer.
00:30:57: Und hier einfach mit Frauen, Athletinnen, so umzugehen, ... ... ich bin entsetzt und ... Das Schlimme ist auch, dass auch Leute, die im Weltcup unterwegs sind, keine Hand haben, sich zu wem, weil das wirklich von oben so ein Druck kommt.
00:31:15: Von oben heißt es, von wo oben?
00:31:18: Na ja, offensichtlich ist kein Rückhalt mehr da, dass sie sich an höherer Stelle beschweren könnten.
00:31:23: Die Petra Kromberger, weil er zeitlang zuerst Frauen beauftragte, dann sollte sie sich um Männer und Frauen kümmern.
00:31:30: So ethische Dinge, die gibt es jetzt nicht mehr.
00:31:33: Und dann will man halt im Verband Machtmissbrauch, der dort passiert, intern aufarbeiten, was für mich ein Unding ist.
00:31:42: Athletinnen und Athleten, auch Arrivierte, haben praktisch keine Anlaufstelle, keine Schlichtungsstelle, keine Beschwerdestelle.
00:31:48: Das verwundert mir, dass das im Jahr im Jahr ist.
00:31:51: Und ich höre ja auch Klagen, also die Höre direkte werden
00:31:54: an mich
00:31:54: herangetragen.
00:31:55: Die Alexandra Meisner sagt zum Beispiel, sie findet das nicht okay, dieses wording, aber auf der anderen Seite hat sie Verständnis dafür, weil das ist sozusagen in der Emotion und der war halt sauer und sonst irgendwie wird das gesagt und sie glaubt aber auch, dass die Athletinnen Schon auch was vertragen.
00:32:11: Also der Skisport ist ein harter Sport, das ist ein harter Konkurrenzkampf.
00:32:15: Und dass die insofern schon so abgehärtet sind, sie gab die Lachen drüber über solche Umgangsformen, das glaubst du nicht.
00:32:21: Sie lachen nicht drüber, überhaupt nicht.
00:32:24: Also das geht ihnen nahe.
00:32:26: Wir haben keine Chance oft auf ihre Trainingsbedingungen einzuwirken.
00:32:30: Das wird die Unwahrheit gesagt, nein, die lachen nicht drüber.
00:32:33: Man muss ja nur in Richtungen schauen, wo Best Practice ist.
00:32:36: Also ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand mit Mika Schiefrenzo umgehen würde.
00:32:41: Das ist die einzige Schäftrainerin im ganzen Weltcup geschehen.
00:32:46: Da sind vorwiegend Frauen dort und dort ist feine, feine Klinge unterwegs.
00:32:51: Warum gibt es eigentlich keine Trainerinnen im Skisport?
00:32:54: Also das war über lange Jahre undenkbar, weil halt ganz einfach wir sind eh wieder dort.
00:33:00: Praktisch die Herbprämie existiert, Frauen, die Familie haben wollen können.
00:33:06: Wir sehen es jetzt zum Beispiel, wir brauchen gar nicht von Pränerinnen reden.
00:33:10: Wir haben in Österreich die Tamara-Tippler, die ist Mutter geworden, die hat ein Kind will wieder zurück, was ich total verstehe und den Versuch ist es einfach wert und sie ist bahnbrechend für mir Pionierin, dass sie das machen will und in den Verbandsstrukturen ist einfach kein Platz für eine Frau, der ein Kind hat.
00:33:28: Wieder als Trainerin und schon gar nicht als Athletin irgendwo.
00:33:32: Was müsste passieren?
00:33:33: Ja, einfach umdenken, dass das halt irgendwo ... eine junge Mutter mit einem jungen Kind individuelle Trainingszeiten bräuchte, dass die Möglichkeit besteht, dass halt die Familie mitkommt, dass halt der Vater, der sich ja eh offensichtlich dann in großartiger, emanzibierter Weise als Mann ums Kind kümmert, dass der halt dann mitkommt.
00:33:58: So schwierig wäre das ja nicht.
00:34:00: Im Managementbereich gibt es ja auch Frauen schon, die irgendwo auf die Welt reißen.
00:34:05: Gerade in Skandinavien.
00:34:06: Da sind wir wieder.
00:34:08: Doris hat es eh schon angesprochen.
00:34:09: Es gibt auch Repräsentanz queerer Personen.
00:34:12: In der ersten Staffel autet sich Schülerin Nawal als lesbisch bei der Dani, weil sich nicht wie der Fall genau ist.
00:34:19: Das ist irgendwie recht am Big gezeichnet, was ja auch total okay ist.
00:34:22: In der zweiten Staffel gibt es dann einen Burschen, der sich schon langsam zu seiner Homosexualität bekannt wiesent, dass in der Realität wie offen ist der Profi-Schi-Sport für sexuelle Identitäten, die nicht hetero sind.
00:34:35: Also, da ist ein irrsinniges Gefälle zwischen Männern und Frauen.
00:34:40: Das war schon eigentlich in den Achtzigerjahren für Frauen kein Problem, sich als lesbisch zu äußern, also bei Weiten nicht so wie für Männer.
00:34:49: Wer fällt mehr ein?
00:34:50: Nein, also die Amerikanerinnen haben sich da überhaupt nichts geschert.
00:34:54: Die haben das offen geliebt und das war nie ein Problem und alle wussten es.
00:34:58: Und dann gab es ja auch einfach Beziehungen, die dann später in den, ab dem späten, acht, gar früher, neun, gar zweitausender Frauen haben sich da einfach nichts sagen lassen.
00:35:09: Das ist einfacher gegangen.
00:35:10: Und für Männer ist es ungleich schwerer.
00:35:13: Es ist viel, viel schwerer, weil ... dass ja verbunden ist, Homosexualität wird mit Schwäche und der schwache Mann und halt irgendwo trauen sich das Leistungssportler überhaupt nicht zu auten.
00:35:24: Aber weiß man das dann vielleicht nur in der Öffentlichkeit nicht und quasi die Kollegen wissen das schon oder wird das generell verheimlich dann?
00:35:31: Also ich glaube, dass zum Großteil das wahnsinnig versteckt wird.
00:35:34: Also auch unter den Kollegen ist halt ja jetzt gerade diesen Skispringer geben, wo der Partner verstorben ist und der hat sich dann geoutet.
00:35:41: Also ich bin vom Fernseher gesessen und hab wirklich ... Die Ketrenen geweint.
00:35:45: Wie schlimm das sein muss.
00:35:47: Und bei Männern ist das halt so im Fußball ab und zu mal.
00:35:50: Ein Alpinci-Fahrer hat sich noch keiner geoutet.
00:35:53: Freestyler amerikanischer.
00:35:55: Aber das ist schwierig für... Da sind Frauen mutiger vorangegangen vielleicht.
00:36:00: Aber die Gesellschaft billigt auch vielleicht.
00:36:03: Heute in den Frauen.
00:36:03: Ich weiß nicht genau, woran es liegt.
00:36:05: Aber der Mann muss da hart erhält sein.
00:36:07: Das ist eigentlich das Rollenklischee.
00:36:09: Ja, es sind die Rollenklischee.
00:36:10: Aber
00:36:11: selbst im Fußball ist das ja mittlerweile zumindest nach Karriereende das sicherbar outen, aber eben im Skisport ist das ja anscheinend dann noch schlimmer, die Situation oder noch repressiver.
00:36:22: Na ja, das sind halt in der Nachkriegszeit, kurz nach Kriegsende, wurden ja diese Klischees in Österreich auch färmlich konstruiert, damit man halt irgendwo das Selbstwerkgefühl der Nation wiederfindet.
00:36:34: Und die Frauen mussten alle so die Bescheidenen sein.
00:36:38: Und die Männer sind halt irgendwo, beginnen mit dem Uniseiler, diese Naturburschen, diese Hautägen.
00:36:45: Und das Klischee ist ja immer noch da, wie viel für die Lizon passen, warum man sich so viele Beziehungen hat.
00:36:50: Diese Begeisterung für den Alpinen-Ski-Sport gibt es ja in dem Ausmaß eigentlich wirklich nur in Österreich.
00:36:56: Man kann das sagen vielleicht noch in der Schweiz oder so, weil die halt gerade gut sind, aber nicht einmal da.
00:37:00: Was sagt das über die österreichische Seele aus?
00:37:03: Nämlich Stichwort Heldenverärgerung.
00:37:05: Ja, Österreich hat einfach eine Identität, Krise gehabt nach dem Zweiten Weltkrieg.
00:37:10: Also haben wir gehabt gar nichts.
00:37:11: Da haben wir einen Ankluss gehabt oder die Masse ist einmarschiert worden.
00:37:15: Ja, verlagert die
00:37:15: Schuldfragen.
00:37:16: Die ganzen Schuldfragen, die Opferdoktorin war da.
00:37:19: Und dann hat man halt irgendwo gesucht, ja was haben wir?
00:37:22: Die Avon-Grad hat man als Kunstfarm.
00:37:24: nicht aufgebaut.
00:37:25: Das hätte sie auch geben.
00:37:26: Aber das wollte man nicht.
00:37:27: Jetzt hat man halt irgendwo die Mozartkugeln, die Lippizaner und den Skirrensport aufgebaut.
00:37:32: Und Skifahren war halt dann so erfolgreich.
00:37:35: Das wurde ja alles inszeniert, die olympischen Spiele in Quartina, wie man da den Almentoni-Seiler und die sagt jetzt, es ist ihm später auch nicht gut gegangen und er hat auch selber schlimme Sachen gemacht.
00:37:47: Wie man da die Leute aufgebaut hat.
00:37:49: oder Karl Schranstern, Zweiundsiebzig, das waren immer so Helden.
00:37:53: Und da gibt es auch tolle geschichtliche Arbeiten drüber, also von Historikern.
00:37:58: Da steht genau drinnen, wie das geplant war, also wie die sich zum Verhalten haben.
00:38:04: Meine Mutter war ja in den Nachkriegsjahren selbst Rennläuferin.
00:38:08: Maringer, genau.
00:38:09: Und das war immer die Mädchen, nicht die Frauen.
00:38:12: Mussten die Mädchen sein und bescheiden und kein Make-up.
00:38:16: Und die Bumm halt, die Burschen, die Männer, die wilden Burschen.
00:38:20: Und das ist genau für es geschrieben gewesen.
00:38:22: Und mein Mutter hat das immer mitgenommen.
00:38:24: Er hat Bescheiden sein und weiß es kragelt beim Schipullover rausschauen und ja.
00:38:29: Und wie hat er den kleinen Nikola reagiert, wenn die Mutter gesagt hat, Bescheiden sein?
00:38:34: Naja, das Bescheiden sein, das war schon ein Thema, bis man halt so in die Pubertik kommen ist.
00:38:39: und dann hat die kleine Nikola, wie sie größer war, sowieso ziemlich die Haare aufgestellt.
00:38:45: Und gut ist es gewesen.
00:38:47: Ja.
00:38:48: Okay.
00:38:48: Okay.
00:38:49: Gut, dann sage ich vielen Dank, liebe Nicola fürs Kommen.
00:38:52: Ja, danke.
00:38:52: Danke für die Einladung und das tolle Gespräch, aber ich hab's eh erwartet.
00:38:56: Dass es uns gut geht miteinander.
00:38:59: Ja, und das war's schon wieder mit der neuen Folge von Serien Reif.
00:39:02: Wenn euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, dieser Podcast gefallen hat, dann freuen wir uns über eine fünf-Sterne-Bewertung.
00:39:09: Damit ihr keine Folge verpasst, abonniert uns, wo auch immer ihr eurer Podcasts hört.
00:39:14: Wir danken Christoph Neuwert an den Regeln.
00:39:17: und euch fürs Zuhören.
00:39:19: Bis zum nächsten Mal und frohes Schauen.
00:39:21: Bye!