Serienreif

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Der STANDARD-Podcast über Serien und alles, was dazugehört

Transkript

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00:00:03: Gehst du auch manchmal ins Kino Doris?

00:00:06: Ja klar, aber nur wenn ich was richtig großes sehen will.

00:00:09: Politisches,

00:00:10: bombastisches Verschwörungstheorie Kino zum Beispiel?

00:00:14: Ja, ich würde sagen, das klingt total nach meinem Geschmack, vor allem weil man darüber so gut reden kann.

00:00:33: Und deshalb machen wir heute die erste Film-Edition im Serienreif-Podcast und sprechen mit einem wahren Film-Experten über das wilde politische Kino, das uns gerade aus Hollywood erreicht.

00:00:44: Paul Thomas Endesens One Battle After Another, Jorgos Landymus Bougogna

00:00:50: und den, diese Woche im Kino startenden neuen Film von Ari Aster, Addington.

00:00:55: Außerdem möchte unser Gast auch über Serien plaudern.

00:00:59: Ich bin Doris Prichink.

00:01:00: Und ich, Valerie Dieck, Filmredakteurin beim Standard.

00:01:04: Unser Gast, dessen Namen wir immer noch nicht verraten haben, saß Anno Dazumal in meinem Sessel, leitete im Anschluss die Viennale dann das Filmmuseum und brachte Anfang des Jahres seine erste Regiearbeit, Henry Wonderful President, ins Kino.

00:01:19: Er ist ein Kenner der USA und Hollywoods.

00:01:22: Willkommen in unserem Podcast, Alexander Horvath.

00:01:25: Hallo, danke für die Entladung.

00:01:27: Wir kommen gerade aus der über zweistündigen Pressevorführung von Eddington.

00:01:31: Sie sind quasi vom Kino hier ins Studio gerollt.

00:01:35: In Eddington spielt Joachim Phoenix den Kleinstadtschef Joe Cross, der sich während der Covid-Pandemie radikalisiert und gegen Pietro Pascal Ted Garcia genannt, um das Bürgermeisteramt antritt.

00:01:48: Ich habe ihn schon im Mai in Cannes gesehen.

00:01:51: Was ist aber euer erster Eindruck?

00:01:53: Das würde mich interessieren und vielleicht auch ohne das Ende zu verraten

00:01:57: und ihn zwei setzen.

00:01:59: Man ist natürlich unvorbereitet, wenn man gerade rauskommt aus einem Film.

00:02:02: Ich habe ein bisschen was gelesen darüber.

00:02:04: Bin nicht wirklich begeistert.

00:02:06: Ich habe in mir schon mit Interesse angesehen, weil er halt so ein Smarty ist, der Ari Aster.

00:02:11: Und es kommt mir ein bisschen vor, als würde er mit einer Schrotflinte.

00:02:16: alle Bullet Points, ein passender Begriff, wenn man an Schrotflinten denkt, alle Bullet Points, die uns in den letzten fünf Jahren so in der gesellschaftlichen Debatte und über soziale Medien und über politische Divisiveness gehört haben, die mit so einer Schrotflinte oder Spraygun an die Wand.

00:02:34: und wir sollen uns dann so die Wege dazwischen aussuchen oder wie wir das alles interpretieren.

00:02:40: Eine besonders konsequente Handhabung der Gedankengänge, die einem da in den Sinn kommen könnten, spüre ich zumindest bei dieser ersten Begegnung nicht.

00:02:50: Meine zwei Sätze sind eigentlich nur Einsatz.

00:02:53: Es soll noch einer sagen, Corona hat nichts verändert.

00:02:57: Das ist jetzt mein plakativer, pointierter erster Satz.

00:03:01: Aber da kommen wir später noch darauf zurück, weil ich denke, diese Filme zeigen doch recht gut die Nachwirkungen der Covid-Pandemie in der Art und Weise, wie sie bestimmte Themen behandeln und wie sie Humor einsetzen.

00:03:13: Vielleicht kommen wir zurück auf Ari Aster, Jahrgang, ist ein bisschen älter als ich, ist einer jener gehypten Regisseure, der mit dem Studio A-Fierundzwanzig berühmt wurde.

00:03:25: Die Art House Horror Firma Hereditary und Midsommers sind schon Kult-Klassiker.

00:03:29: Beau ist afraid.

00:03:30: seine erste Zusammenarbeit mit Joachim Phoenix wurde eher kritisch rezipiert.

00:03:36: Beau ist doch der erste Asterfilm, in dem die tiefen psychologische Ebene seines Protagonisten komplett mit der bedrohlichen Außenwelt verschränkt wird.

00:03:45: Auch in Eddington gehen Politik, Psyche und Emotionalität in einigen Figuren explosive Allianzen ein.

00:03:54: Konntet ihr der Figur des Sheriffs, die auch von Joachim Phoenix gespielt wird und ihren Motivationen etwas abgewinnen, Alex?

00:04:04: Naja, wenn man an diesen letzten Filmbau ist, afraid, denkt, dann könnte man schon sagen, dass das ein bisschen eine Vorsetzung ist dieser Figur, oder dass sich Phoenix und Aster offenbar wohlfühlen.

00:04:16: in dieser Ausladung solcher... sagen wir psychosexueller Dimensionen, die mir allerdings insgesamt in diesen Filmen, die wir da besprechen und so einen gegenwärtigen Kino, das gewisse politische Absichten hegt, kommt mir diese psychosexuelle Dimension insgesamt viel präsent davor.

00:04:35: Also in früheren Epochen des politisch-paranoischen Kinos, wie wohl mir da ein Moment einfällt, aus dem ensuring candidate, aus den frühen sechziger Jahren.

00:04:45: An denen hat mich jetzt das Ende von Eddington gerade erregnet.

00:04:48: Diese Schwiegermutter und der...

00:04:50: Wollen wir das verraten, das Ende?

00:04:53: Ich versuche nicht zu spoilern, aber es geht um Schwiegermutter und Protagonist.

00:04:58: Und so wie die da auf einmal aufgestellt werden.

00:05:01: am Ende des Films, musste ich halt an Angela Lansbury und Lawrence Harvey in Mentoring Candidate denken.

00:05:07: Nichtsdestotrotz, wenn man zum Beispiel den Beginn von One Battle After Another sich überlegt, diesen Colonel Lockjaw, den Champagne spielt und die schwarze Revolutionärin von Terna Taylor gespielt und wie die da sich ineinander verkrallen oder wie immer man das nennen will oder wenn man an das Grundsetting von Bougonia denkt, die gefangene Schöne im Keller, auch der Mutterfetisch von Jesse Plemmons in diesem Film.

00:05:34: Dann ist das schon irgendwie viel präsenter und kommt mir vor.

00:05:36: Dahinter steht sicher auch die Einsicht, dass wir die Verläufe, die Bewegungen in der Gesellschaft, die Debatten, die politischen Strömungen und dieses Gefahrenpotenzial, das allerorten beschworen wird, nicht denken können ohne den Rekurs auf das, was in unseren Hirnen und Herzen und Drüsen abgeht und wie sehr die Politik und auch das mediale ... geschehen mittlerweile auch setzt auf eine Beteiligung dieser psychischen Vorgänge.

00:06:07: Also das ist ja auch in meinem Film ein bisschen so eine These, dass das Dream Life oder dass die Imagination einen ganz, ganz zentralen Anteil daran hat, wohin die Welt oder wohin eine Gesellschaft politisch geht.

00:06:19: Ja, ich möchte noch etwas zu sagen.

00:06:22: Wer würde behaupten, Corona hat nichts verändert?

00:06:24: Mir ist in den Sinn gekommen, bei Ansicht des Films, erstens einmal, während Corona war, kam ja auch schon die Frage auf, wird man jemals einen Film über Corona machen?

00:06:36: Und dann haben alle gesagt, nein, das wird nie passieren, weil keiner will das sehen.

00:06:39: Jetzt, fünf Jahre, knapp fünf Jahre her, Schauen wir uns einen Film an, wo es tatsächlich um Corona geht, wo wir Masken sehen.

00:06:47: und die erste Intention, die mir da kommt, ist Wahnsinn, ist es schon so lange her, das fühlt sich so unwirklich

00:06:54: an.

00:06:55: Also insofern einerseits hat es nichts verändert, andererseits hat es alles verändert, das sehen wir in Eddington.

00:07:02: Alex ist aber trotzdem Corona, Covid, das Virus, hier eine Kulisse.

00:07:09: für eigentlich einen Film, um den es in der Hauptsache um Joaquin Phoenix geht, sowie in ganz vielen Filmen, in denen es um Joaquin Phoenix geht.

00:07:18: Ich meine, das ist sicher.

00:07:19: einmal als Kulisse aufgestellt.

00:07:21: Es beginnt damit, es wird die Frage oder diese schnellen Schreireien und in Auseinandersetzungen mündende, ich muss hier keine Maske tragen.

00:07:29: Wer bezieht sich auf welche Gesetze und welche Regeln?

00:07:32: Das ist einmal die Ausgangssituation.

00:07:34: Ich glaube, natürlich hat die Debatte und diese Idee von Freiheit und individuellen Freiheitsrechten, die sich rund um Corona so extrem nochmal in die Höhe gepiegt hat oder gepiegt wurde, hat sehr viele Folgen gehabt, die wir heute in einem noch viel enormeren Ausmaß, glaube ich, als man es damals denken konnte, zu spürbekommen.

00:07:57: Wir haben das in Österreich mit dieser politischen Benützung der Pandemie und der Pandemieregeln und der angeblichen staatlichen Repression und so, ja, erlebt, was die FPÖ da sozusagen veranstaltet hat, aber das ist weltweit genützt worden in den unterschiedlichsten Formen.

00:08:13: Was der Film schon ... sieht, dass es nicht allein Corona ist und er nimmt zumindest ein zweites Ereignis, das für mich mit mindestens so, ich meine, ich kann als jemand redend ja jetzt in den Lockdown-Monaten und Corona-Monaten keine Schaden davon getragen hat oder sich nicht unterdrückt gefühlt hat und so weiter, kann da nicht für andere Menschen sprechen, aber die Ermordung von George Floyd durch einen Polizisten in Minneapolis und die Black Lives Matter Bewegung, die sich da... herum sehr rasch, sehr global sichtbar gemacht hat.

00:08:48: Und was das wiederum für Echoes und Kugeln, wenn man schon bei Kugeln war und bei Schrotflinten, Kugeln, die wieder zurückprallen, also die man abfeuert, die aber auch wieder ungeanterweise in Richtungen zurückprallen, die man beim Schuss nicht merkt.

00:09:01: Also diese Geschehnisse werden in Eddington mindestens genauso, wenn nicht sogar Gewichtiger dann eingesetzt, um die sich aufschaukelnden Wahnsinn und die sich aufschaukelnde Gewalt irgendwie zu unterfüttern.

00:09:17: Insofern ist das, wenn man jetzt diese fünf Jahre zurück schaut, vielleicht schon auch eine spezielle Konstellation von Dingen.

00:09:23: Wir sind am Ende der Trump-Präsidentschaft eins.

00:09:27: Wir sind in dem Jahr, in dem es dann im November eine Wahl in den USA gibt.

00:09:31: Es kommt diese Pandemie über die Welt.

00:09:33: Es kommen die Black Lives Matter-Proteste und eine gewisse Auch die akademischen Welt, vielleicht Postkoloniale, Selbstbesichtigungsdiskurs, im westlichen akademischen Welt, wird noch einmal einen Schub stärker, kam mir vor.

00:09:49: Und da ist ein Gemisch, dass irgendwie immer ein Toxizität und das Toxische ist ja überhaupt ein Lieblingsbegriff dieser halben Dekade oder Dekade gewesen, aber das ist wirklich toxisch in viele Richtungen geworden.

00:10:01: Und darauf setzt der Film, dass das jetzt schon die Zeit ist.

00:10:06: sich das auch mal vor Augen zu führen, alles.

00:10:09: Also es ist nicht nur Joaquin Phoenix.

00:10:12: Ich glaube nicht.

00:10:13: Die leben einander offenbar.

00:10:14: und was soll ich sagen?

00:10:15: Joaquin Phoenix ist ein spannender Schauspieler.

00:10:18: Also ich würde auch nicht nein sagen, wenn ich ein amerikanischer Regisseur bin, der mit dem Phoenix arbeiten kann.

00:10:25: Aber ja, es ist schon was leicht.

00:10:27: Wie gesagt, im Bow is a Fred ist es noch extremer.

00:10:30: Aber er ist schon irgendwie verknallt in den auf eine vielleicht auch psychosexuell spannende oder komplizierte Weise.

00:10:37: Da ist er nicht allein, muss man dazu sagen.

00:10:41: Ein anderer Schauspieler, in dem viele Filmemacher verknallt sind, ist Leonardo DiCaprio.

00:10:48: Der trägt den Film One Battle After Another, würde ich sagen.

00:10:52: Und einer meiner Kritikpunkte an diesem Film wäre jetzt das Beispiel, dass es mir zu sehr, zu viel Leonardo DiCaprio ist, zu viel Dude, Schauspielerei, Kiffer, Attitüde, zu viel Overacting.

00:11:05: Und ich finde, all diese Filme, über die wir heute sprechen, die leben von diesem expassiven, fast grotesken Darstellungen, wie siehst du das?

00:11:14: Also ich hab das eigentlich, zumindest was One Battle After Another und Bugonia betrifft, eher genossen, muss ich sagen.

00:11:20: Ich muss dir auch widersprechen, für mich ist es nicht so, auch in meiner Erinnerung an den Film, dass One Battle After Another von DiCaprio getragen wird.

00:11:29: Was den Film trägt, ist eine ganz eigentümliche Konstellation verschiedener durchaus präsenter Figuren.

00:11:37: Ich erwähne nur zum Beispiel, also von der, die Terner Teller haben wir schon erwähnt, die ist ja vielleicht zwanzig Minuten in dem Film präsent nur und dann verschwindet sie.

00:11:47: im Großen und Ganzen aus der Erzählung.

00:11:49: Aber das ist eine unglaubliche Präsenz.

00:11:51: Champagne können wir vielleicht extra besprechen, weil der halt das, wenn man so will, Karikaturhafte oder Überzeichnete des Spiels am Ersten repräsentiert.

00:11:59: Aber ich finde ganz, ganz wichtig die Figur des Benisho del Toro, dieser Zenmeister, der Marschel-Artsmeister, der im Grunde ein ganz gegenteiliges Männerbild präsentiert, als dieser verkifte, verlorene... exaktivist oder ex militante revolutionär DiCaprio.

00:12:21: Mir kommt vor, dass vielleicht, dass man so sagen könnte, dass die Verhältnisse, die die Figuren zueinander und die DiCaprio-Figur haben, dass die das tragende Element sind.

00:12:31: Es mag aber auch schlicht daran liegen, dass ich an DiCaprio, ich bin jetzt nicht einer der sagen würde, er ist in ihm verknallt, aber dass DiCaprio mir schon in vielen Rollen Ich war anfangs gar kein großer Fan, aber er hat mir sehr gefallen in den letzten, sagen wir, fünfzehn, zwanzig Jahren, wie er echt stranger und nicht besonders liebenswürdige und nicht besonders attraktive und nicht wirklich zur Identifikation einladende Figuren fast aktiv sucht.

00:12:58: Das würde ich für Phoenix auch.

00:13:00: Geld entmachen, das sind schon mutige Stars.

00:13:04: Wenn man davon ausgeht, wie Superstars traditionell ihr Bild und ihre zu bewahren suchen oder sich nicht allzu weit von ihrer Person zu entfernen, das wären schon zwei Schauspieler, die das wagen oder wo das dann Teil der Person wird.

00:13:20: Wir haben jetzt drei Filmestelle vertreten für Verschwörungstheorien und alle drei haben mehr oder weniger diese... fast übertrieben agierende Figuren.

00:13:31: Braucht es das für diese Art von Film?

00:13:35: Es braucht es vielleicht nicht, aber erstens ist ja in der realen amerikanischen Politik die Karikatur schon Wirklichkeit geworden.

00:13:42: Personal ist tatsächlich grotesk und ich glaube sogar bewusst grotesk, weil sich das derzeit als das tauglichere Werkzeug in der politisch-medialen Zone erweist und zumindest unter den Bedingungen, die derzeit die Idee von Öffentlichkeit prägen und auch weil diese Schmierenkomiteanten und Schauspieler wahrscheinlich über gar keine anderen Werkzeuge als diese... Grotesquerie verfügen, das wäre das erste.

00:14:08: Das heißt noch nicht, dass man das jetzt spiegeln oder abbilden muss, aber es kann auch damit zu tun haben, dass sich ein gewisser Empörterrealismus oder Naturalismus im Kino zumindest für die, die diese Filme jetzt gemacht haben, abgenutzt hat oder dass diese... Wir haben klassische Formen, aufklärerisch mit einer komplizierten oder bedrückenden politischen und gesellschaftlichen Lage umzugehen, dass sich die Mittel dieses Realismus, an die nicht mehr geglaubt wird und dass man bewusst artificielle Stile, das sind jetzt vielleicht nicht artificielle Schauspielstile, aber wenn man an die... gesellschaftlichen Allegorien eines Jordan Peele, zum Beispiel, denkt, dann ist das auch weit weg vom Realismus oder so, also die drei Filme, die der bisher gemacht hat.

00:14:53: Das ist vielleicht die Annahme, dass in der Karikatur eine Art Wahrheit erscheinen kann, die noch einmal was anderes in einer poetischen Form wie dem Kino.

00:15:03: Das ist nicht Journalismus, das ist nicht eins zu eins, das ist eine andere Ebene, das Stilisierung und das treiben diese Filme recht weit und sie haben das Personal dafür.

00:15:13: Das ist entscheidend.

00:15:14: Das, was Champagne mit diesem Colonel Lockjaw macht oder alle, alle die Emma Stone als dieses CEO, das ist ja auch eine extrem zugespitzte Figur.

00:15:24: Und der Jesse Blemons und Phoenix und so weiter, das sind Leute, die das sozusagen können.

00:15:31: Man muss diese Spielweisen auch... beherrschen, dass so ein Kippen ins Karikaturreske oder so kann diesen gleich schiefgehen.

00:15:37: Eine Verbindung jetzt von Elikon zu Bougogna wäre Emma Stone.

00:15:42: Du hast sie ja schon angesprochen.

00:15:43: Emma Stone spielt in Bougogna eine Chemiekonzernchefin, die entführt wird von einem Verschwörungstheoretiker, der von Jesse Plemons eben dargestellt wird.

00:15:56: Warum landet Emma Stone so oft in diesen Filmen, wo sie sozusagen in andere Dimensionen auch aufsteigt?

00:16:04: Sowohl psychische als auch körperliche, sage ich jetzt mal.

00:16:08: Tut sie das überhaupt auch schon in anderen Filmen?

00:16:11: Also in all ihren Landhimmersräunen ist es ein wahnsinnig körperliches Schauspiel, das sie da auch immer bietet.

00:16:16: Also es hat viel mit dieser Beziehung zu tun.

00:16:18: Also wer wäre schon jetzt... den Begriff der Verknalltheit ein paar Mal benutzt haben, würde ich mal sagen, es ist relativ deutlich, dass Herr Landtimos, und wie sehr wäre es auch, aber dass Herr Landtimos eine, und ich meine das jetzt auf einer ganz züchtigen Ebene, große Verknalltheit in die Schauspielerin Emma Stone hat, und ich glaube, sie in ihm jemanden gesehen hat und weiterhin sieht, der ihr dabei hilft, einfach in anderen, vielleicht Regionen, der amerikanischen Star-Schauspielerei sich zu bewegen als viele ihrer Kolleginnen.

00:16:50: Also ich denke mir immer dann, jetzt ist Julia Roberts, ist da zurückgekehrt in diesem Guadagnino-Film, auf der der Hand zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrer Karriere, in den Anfängen in ihrer Karriere hätte Julia Roberts vielleicht auch jemanden dieser Art gesucht, gewollt, gebraucht.

00:17:06: Das kann einfach einer Schauspieler... So wie für die Cabrio eben, denke ich, die Begegnung mit Scorsese und das Geschehen seither einfach zentral war.

00:17:15: Dazu kommt noch, mir ist jetzt erst bewusst geworden, dass Ari Aster ja auch ein Produzent von Bougogna ist.

00:17:22: Also die beiden Filme Eddington und Bougogna sind nicht nur durch Emma Stone.

00:17:26: Sie ist ja in beiden drinnen.

00:17:28: In Eddington spielt sie keine zentrale Rolle, aber da ist sie die.

00:17:32: Frau vom Schwerkinn Phoenix, aber auch Arias, da ist ja offenbar mit Land, die muss befreundet, also da raus.

00:17:38: Vielleicht ist das jetzt... Nicht so belastbar, wie es sein sollte, aber mir kommt schon vor, da handelt es sich auch, ich will nicht sagen um eine Klick, aber um eine befreundete, gemeinsam an bestimmten Dingen interessierte Truppe.

00:17:51: Und Emma Stone ist irgendwie die Queen Bee dieser Truppe vielleicht.

00:17:54: Das letzte Film, Keins of Kindness, war eine große Enttäuschung fand ich.

00:17:58: Da haben die ganzen tollen Schauspieler nix helfen können.

00:18:00: Das war einfach ein Käse oder Resselverwertung.

00:18:03: Bei Bougogna ist nicht mein Lieblingsfilm, aber da funktioniert die ganze Konstellation schon wieder etwas... Kraftvolle.

00:18:11: Finde ich auch.

00:18:12: Keins auf keinen.

00:18:13: Das hat mich total enttäuscht.

00:18:14: Bougogne hat mich wahnsinnig erheitert im Kino.

00:18:17: Ich hatte wirklich einen großen Spaß, Jesse Plemmons und Emma Stone zuzusehen.

00:18:22: Du hast eine spezielle Kinoerfahrung mit Bougogne, hast du erzählt?

00:18:26: Ja, weil wir von Hinterhöfen noch nicht gesprochen haben, aber von denen sprechen wir vielleicht noch.

00:18:31: Ich habe mir zur Vorbereitung dieses Podcasts den Film angesehen.

00:18:36: Und ich war in einem, weil das von der Uhrzeit gepasst hat und nur zu dieser Uhrzeit gepasst hat in einem Kino, in dem ich sonst nicht bin.

00:18:42: Ich sage auch den Namen nicht.

00:18:43: Das ist ein Mega-Holy Cassine, irgendwasplex.

00:18:48: Und ich war dort am Nachmittag.

00:18:50: Und das ist schon einmal so, dass du da durchgehst, durch so diverse Spielhöln heilen und dann kommst du zum Kino und das sind natürlich, ich weiß nicht, zwölf Seele oder so.

00:19:02: Und es war wirklich niemand.

00:19:04: Es war wirklich überhaupt niemand dort.

00:19:07: Es hat dann quasi den Kartenabreißer, so was gibt es offensichtlich noch.

00:19:11: Das ist auch irgendwie interessant, grundsätzlich.

00:19:14: dass es die noch gibt, Menschen, richtige Menschen, die das machen.

00:19:18: Und dann bin ich in den Saal und der Saal war riesig und ich war alleine.

00:19:25: Ich habe mich nicht gefürchtet, aber es war zumindest eine Erfahrung.

00:19:29: und die andere Erfahrung, die ich auch nicht kannte.

00:19:33: Und jetzt werden wir natürlich Menschen oder unsere geschätzten Zuhörerinnen und Zuhörer werden mich jetzt verachten, weil ich sage, ich bin so elitär und so überhaupt.

00:19:42: Aber du sitzt da drinnen und du hast siebzehn Minuten, ich habe auf die Uhr geschaut, Werbung.

00:19:48: Und zwar nicht Kino vorschauen oder so irgendwas, sondern es ist Werbung, es ist Energietrink, es ist Möbelhaus, es ist, ich weiß nicht, was noch, alles.

00:19:57: Und dann beginnt dieser Film erst, ja.

00:19:59: Und als ich jetzt Eddington gesehen habe, habe ich mir gedacht, dieses Kino würde wirklich gut nach Eddington passen.

00:20:07: Ich glaube, das könnte dort auch eine Rolle spielen.

00:20:09: Also das wäre ein Drehort für die nächste, ich weiß nicht, ja, Verschwörungstheorie.

00:20:17: besser geht es fast gar nicht, weil dann gibt es Kameras irgendwo und man könnte den... Also ich habe mich tatsächlich wie in einem Film gefühlt.

00:20:25: Alex, die Frage, die sich da für mich jetzt angeschlossen hat, was macht denn diese Kleinstädte und diese Hinterhöfe und diese unterirdischen Räume so interessant für Filme über Verschwörungstheorien?

00:20:42: Ulrich Seidel und sein Film im Keller ein.

00:20:44: Die Keller und das, was in Kellern abgeht, ist schon seit längerer Zeit ein Schauplatz oder eine Fragestellung, die dem Kino und auch der Literatur und den Künsten einiges geboten hat.

00:20:56: Das, was du beschreibst, das hat etwas dystopisches natürlich und jetzt könnte man eine ganze kulturpessimistische oder kulturphilosophische Sache anhängen, wo es mit dem Kino grad so steht.

00:21:10: Ich bemühe mich ja, Filme immer wieder so auch zu sehen, im regulären, normalen Kinoprogramm.

00:21:15: Manchmal meinen früheren Kollegen, die Filmkritik betreiben, denke ich, oft, ja, Presseverführungen sind noch mal was anderes.

00:21:22: Wir kommen gerade aus einer.

00:21:23: Ich denke, das war ja eine Presseverführung.

00:21:24: Das war

00:21:25: meine erste.

00:21:26: Deine erste.

00:21:27: Ich schaue sonst nur Serien.

00:21:28: Meine aller, allererste Pressevorführung.

00:21:31: Aber da ist man zumindest mit mehr oder weniger bekannten Kollegen oder so.

00:21:36: Und dann kann man gespuckt werden, durchaus.

00:21:39: Manchmal, wenn es ein Wochentag-Nachmittag ist und man fährt in eines dieser Stadtrandmultiplexe raus, ich habe einmal mit Regina, meiner Liebsten und mit Josh Siegel aus New York, sind wir da nach Simmering gefahren, zum Gasometer, um uns den Horrorfilm The Purge anzuschauen, der uns nicht schlecht gefallen hat, wie die ganze Serie, aber da waren wir die drei einzigen Personen in einem Fünfhundertplatzkino.

00:22:03: Ich kenne das gut, was du sagst, andererseits.

00:22:05: ist das aber nicht immer so.

00:22:07: Ich und meine Frau, wir sagen oft, also wir wünschen uns manchmal, dass die Leute, die über Kino publizieren, schreiben, die Realität des Kinos, so wie es sich für das Publikum darstellt, auch wahrnehmen.

00:22:19: Manchmal ist es großartig und es kommen Communities zusammen und man erlebt da gemeinsam etwas.

00:22:25: Oder es ist die Hütte voll, weil ein Musikfilm gezeigt wird und es kommen nicht unbedingt Sinne viele, sondern es kommen Leute, die sich wegen der Musik oder das Musiker, um den es da geht.

00:22:35: Also das kann in unterschiedlichste Richtungen haben.

00:22:37: Auch die Leute, die nur zur Viennale gehen oder die nur Filme auf Festivals anschauen, das ist ein etwas verarmter Blick aufs Kino.

00:22:44: Da ist natürlich dann wieder der große Event und das ist immer alles ausverkauft und dann muss ich in den ersten vierzehn.

00:22:48: Sekunden des Vorverkaufs für die Filme entscheiden.

00:22:52: Die Realität des Kinos schaut anders aus.

00:22:54: Sie schaut vielfältiger aus, manchmal schaut sie so trist und dystopisch aus.

00:22:58: Das nur jetzt in Klammer.

00:22:59: dazu gesagt, was das eigentümliche Schwanken dieses Ortes Kino in der heutigen Kultur betrifft.

00:23:06: Aber wie soll ich sagen, du hast das eh gut beschrieben, diese Orte sind per se, natürlich, wenn man sagt, Welt der Verschwörungserzählungen.

00:23:14: In solchen Kammern Da kann man durch den Begriff der Echokammer, der uns ja ständig begegnet, verwenden.

00:23:21: In solchen Kammern entstehen die fantasierten, imaginierten Gespenster dessen, was uns dann in verwandelter Form gesellschaftlich bedrückt.

00:23:32: Und je mehr die Menschen seien es jetzt wirkliche Keller und Kammern, in denen kein... Ton hereintrinkt, in denen kein gegenläufiges Argument hereintrinkt.

00:23:41: Also man kann die Echokammern, die als Metapher gemeint sind und die Wirklichen kann man da durchaus als etwas Gemeinsames sehen.

00:23:47: und in dieser extremen Individualisierung, in der die individuelle Souveränität das Höchste gut sein muss und Ideen wie Solidarität oder alle Menschen auf dem Planeten sollen genug zum Essen haben.

00:24:00: Kaum mehr die Kraft zu haben scheinen, manchmal zumindest, kommt es mir so vor, die Vorderbühne der Politik zu betreten.

00:24:07: In einer solchen Welt sind diese ... Isolationszellen, sagen wir mal, ein wichtiges und bedrückendes Motiv.

00:24:14: Gibt es denn eigentlich so, was wie eine Geschichte der Verschwörungstheorien im Kino bzw.

00:24:19: bei Serien weiß ich es, da ist also die Mutter der Verschwörung, ist Akte X?

00:24:25: Ja, natürlich.

00:24:26: Das

00:24:26: weist auch wirklich auf den totalen Imagewandel, den die Verschwörungstheorie oder die Anhängerinnen von Verschwörungstheorien haben, weil bei Akte X, in den neunziger Jahren war es ja noch so, dass sozusagen das Skeptiker, ja, Also ich glaube nichts.

00:24:40: Er war irgendwie den mit dem wir uns verbündet haben.

00:24:45: Der

00:24:45: Nationale.

00:24:46: Ja genau.

00:24:47: Und jetzt ist es ja so, dass der Agent Mulder ist der Schwurbler schlechthin geworden.

00:24:53: Gibt so was wie eine Geschichte der Verschwörungstheorie im Kino?

00:24:56: Also ich kenne jetzt keinen Buch oder keine konsistente Berichte darüber.

00:25:04: Aber ich würde meinen, wie sagt man, der UFO Hype.

00:25:08: ist zumindest etwas, an dem das Kino seinen beträchtlichen Anteil hat.

00:25:12: In den fünftiger Jahren hat die Populärkultur diese frühen Formen von Fantasie, dass jetzt die Aliens kommen, mit geprägt, mit angetrieben.

00:25:23: Man hat dazu nicht Verschwörungsgeschichten gesagt, sondern das waren halt Science-Fiction-Filter.

00:25:28: oder die War of the Worlds oder die Osso-Edition kommen zu uns.

00:25:32: Und relativ bald danach... Drittes Motiv, in dem schon anfangs erwähnten Film The Manchurian Candidate zum Beispiel besonders deutlich herein.

00:25:41: Und das hat ein Film mit Anfang sechziger Jahre Kennedy-Ermordung und mit den Erzählungen darüber, wer da jetzt eigentlich dahinter steckte.

00:25:49: Ich sage das jetzt so spontan heraus, ohne lang drüber nachgedacht zu haben, aber mir kommt schon vor, dass das Kennedy-Artentat eine Art von Ursamen, das ganze Blumenstraußes von Typologien der Verschwörungserzählung ist.

00:26:02: Und in der Zeit interessanterweise hat auch das amerikanische Kino, also sagen wir in der ersten Hälfte der sechziger Jahre, begonnen Politik entweder straightforwardly, also wirklich versuchend analytisch.

00:26:17: Protagonist meines Films Henry Fonda hat da öfter Politiker oder sogar den Präsidenten gespielt oder in extrem zugespitzter Weise schon durchaus mit Anteilen solcher Verschwörungserzählungen.

00:26:28: Wenn ich an den General Ripper gespielt von Sterling Hayden in Stanley Kubrick's Doctor Strange Love denke, der fantasiert von irgendwelchen außerirdischen Dingen und das ist eine Figur, wie sie auch jetzt in Eddington vorkommen könnte.

00:26:42: Also mir scheint... Aus dieser Epoche heraus ist wirklich stark geworden schon sein Interesse am Paranoischen.

00:26:49: Dass dieses Schwanken des Paranoischen zwischen einer, wie wir sagen würden, vollkommen abstrusen Verschwörungstheorie und dem Gefühl in der Watergate, in der Nixen-Era, Vietnam-Era, ich spreche jetzt mal primär über die USA, das Gefühl von irgendwelchen Kräften und Mächten, die sich nicht zeigen, betrogen zu werden.

00:27:09: Und dass es Echt hartnäckige Investigativjournalisten braucht, wie den Woodward und den Bernstein zum Beispiel, oder Simo Hirsch, um diesen Machäleugesen, Machinationen und Verschwörungen auf die Spur zu kommen.

00:27:21: So dass wir das Zeitunglesende oder Fernsehende amerikanische Publikum dann auf einmal erkennen müssen, dass ja de facto der Präsident Nixen in damaligen Fall, sich verschworen hat mit anderen.

00:27:34: Das kippt dann soweit und das erleben wir auch jetzt ständig.

00:27:38: Und im Grunde läuft ja Bougonia auf genau so etwas hinaus.

00:27:40: Ich weiß nicht, ob wir den Film spoilern dürfen, weil der jetzt schon ein paar Wochen im Kino ist.

00:27:45: Aber das Ende ist im Grunde eine Art Rechtfertigung einer Verschwörungserzählung, wie wir sie die ganze Zeit als Abstrus vorgeführt bekommen haben.

00:27:54: Das heißt... Allzu oft oder oft genug erlebt der politisch interessierte Bürger, ich will jetzt nicht da banale, regionale Details wie die Billner-Check-Geschichte ins Spiel bringen, von der wer auch noch gar nicht wissen, wo es hinausläuft, aber ich sage trotzdem, allzu oft erlebt man ja, dass das, was als Verschwörungserzählung abgetan wurde, dann de facto doch ziemlich... nahe daran in Wirklichkeit geschehen ist.

00:28:18: Wird man da selber zum Schwurble, dann, wenn man das merkt, na, man denkt sich nur, es gibt Verschwörungen.

00:28:24: Das ist auch vielleicht wichtig.

00:28:26: Der Paranoiga ist eine interessante Figur, weil der Paranoiga ist nicht einfach verrückt.

00:28:30: Der Paranoiga setzt ja an Erfahrungen an, die sehr viele Menschen machen.

00:28:36: Wenn man versucht, seine Bankgeschäfte zu erledigen oder am Telefon mit irgendeinem Beamten in direkten menschlichen Kontakt zu geraten und wir zu einem Chatbot und zu einer Maschine und ihrer Unfähigkeit, muss man ja ehrlichweise sagen ausgesetzt, dann ist man ja nicht gleichparanoisch, wenn man sich denkt, in welcher Welt leben wir, bitte?

00:28:55: Was passiert gerade mit uns?

00:28:56: Ich fühle mich wie im Bougogne, wenn ich eine Dreiviertelstunde mit jemandem von der Bank Austria reden will, aber es kommt nichts.

00:29:03: Und ich darf dreimal an und so weiter.

00:29:05: Also, das heißt, dieses Schwanken zwischen begründeten Zorn und begründeten Anger, wenn es ein rationaler Mensch ist, dämpft man das wieder runter.

00:29:15: Aber man will reagieren, man will irgendwie, ich sage es jetzt wirklich im blummigen Sinne, im Kopf gibt es eine kleine Person, die eine Pampgarn nehmen möchte und losballern möchte.

00:29:28: Die meisten Menschen haben Mittel und Wege, diese Person mit der Pumpkern wieder ruhig zu stellen.

00:29:34: Aber das kennt man von sich, deswegen sage ich es jetzt.

00:29:37: Insofern ist das paranoische Moment immer sehr schwer, wo endet ehrliche und begründete Entrüstung und wo beginnt die Paranoia?

00:29:45: und wo beginnen dann logischen Platz zu greifen, die die Welt noch tiefer ins Unglück stürzen.

00:29:51: Also das macht vielleicht auch diese Popularität solcher Figuren und Geschichten derzeit aus, dass sich viele Leute Das Fragen.

00:30:00: Weil du wieder auf Bougogna zu sprechen gekommen bist und auf den Paranoika vielleicht nochmal aus dem eigenen Nie-Kristin plaudern.

00:30:07: Soweit ich weiß, aus meinem familiären Umfeld, was sich auch seit Corona etwas radikalisiert hat, hinsichtlich Verschwörungstheorien, sind Filme, die solche Theorien anheizen, Filme, von denen man es nie erwartet hätte.

00:30:20: Zum Beispiel habe ich gehört Kung Fu Panda III.

00:30:24: Sei ein Film, der für manche Verschwörungstheoretikerinnen besonders bedeutsam ist.

00:30:31: Auch der Begriff Mothership scheint sehr bedeutsam zu sein.

00:30:35: Weil man der Ansicht ist, dass man von Kräften regiert wird, die außerhalb der eigenen Welt existieren.

00:30:41: Und genau dieser Ansicht ist ja der Protagonist in Bougogne, der von Jesse Plemons gespielt wird.

00:30:47: Und wie du es schon gesagt hast, seine Theorie wird er am Anfang als totaler Schwurble auch dargestellt, auch weil man immer wieder Sympathien mit ihm hat.

00:30:55: weil Jesse Plemmons einfach auch ein wunderbares Schauspieler ist, der das hinkriegt, dass man ihn einerseits eben als totalen Schwurbler identifiziert, andererseits aber irgendwie auch als liebevollen und auch klugen Mann.

00:31:09: Und dieser Jesse Plemmons, dessen Theorie, wird ja am Ende quasi bestätigt.

00:31:14: Jetzt haben all diese Filme einen relativ messige Umgang, würde ich sagen, mit Politik.

00:31:20: Keiner dieser Firmen legt sich wirklich fest.

00:31:22: Bei One Bet After Another geht es um linken Widerstand.

00:31:26: Teilweise wird sich darüber auch wieder lächerlich gemacht, genauso wie über die rechten Politiken, die dort agieren.

00:31:33: Was ist deiner Meinung nach der Grund dafür, warum so wenig Wille da ist, in diesem Kino sich politisch irgendwo zu positionieren?

00:31:42: Also positiv aufgefasst, würde ich sagen, das ist deswegen so.

00:31:46: Diese Politics sind Messi in diesen Filmen, weil die Lage ja wirklich Messi ist.

00:31:51: Und zwar gemessen am traditionellen Verständnis des politischen Spektrums.

00:31:55: Die Einordnungen, die wir da aus dem zwanzigsten Jahrhundert geerbt haben, das politische Strömungen oder Ideologien betrifft, greifen.

00:32:03: glaube ich nicht mehr richtig.

00:32:04: Eben wie schon erwähnt in so einer tribalistischen Welt mit diesem extremen Bedürfnis nach individueller Souveränität sind einfach Phänomene wie Aufstand oder Revolution oder Verschwörung einfach nicht mehr so klar konnotiert.

00:32:20: In dem Paul Thomas Andersen Film gibt es einen kleinen Verweis auf die Schlacht von Algier, den Film von Cilopante Corvo, über die Befreiungsbewegung in Algerien in den fünftiger und frühen sechziger Jahren.

00:32:32: Und der Andersen macht ganz deutlich, dass wir dieses linke Nostalgie begreifen müssen, wenn sich der Ex-Revolutionär, die Cabrio da im Fernsehen diese Schlacht von Allschirr

00:32:41: anschaut.

00:32:41: Das regt linke natürlich auf.

00:32:43: Da habe ich schon sehr viel Kritik gehört, diesbezüglich.

00:32:46: Ja, aber die Fronten, so klar wie die Fronten, damals beim antikolonialen Kampf zu verlaufen Schienen, beim antikolonialen Kampf da Algeria, so klar ist es nicht mehr.

00:32:57: Negativ könnte man schlicht sagen, dass diese Filme selber einfach gar keinen Willen oder keine übergreifende Idee mehr vertreten wollen, wie zum Beispiel schon gesagt das gesellschaftliche Solidarität oder so, oder dass Sie einfach keine Chance mehr sehen, dass solche Dinge im Vordergrund Debatten eine Rolle spielen könnten, weil eben so Dinge wieder diffuse Zorn und der Verschwörungsglaube Stammesdenken viel stärker sind in dieser Ära des libertären Autoritarismus.

00:33:26: Das heißt, sie wagen zu wenig, vielleicht könnte man dann kritisch sagen.

00:33:30: Ich würde das vielleicht bei Lantimos und Aster sagen, da gibt es eine gewisse Neigung zum Zynismus oder, wie am Anfang gesagt, alles an die Wand knallen und es ist alles gleich verrückt, gleich viel wert, gleich wenig wert.

00:33:46: Das ist einer der Gründe, warum ich den One Battle After Another so schätze.

00:33:49: Ich sehe das schon bei diesem Film anders.

00:33:52: Ich sehe, dass da eine nachvollziehbare politische Haltung illustriert wird.

00:33:58: Ich glaube nämlich nicht, dass der Weg aus dem Autoritarismus durch irgendwelche Erinnerungen oder Wiederaufwärmungen cooler Terroristen oder Aktivisten, Gerierkämpfer derzeit um neunzehntsiebzig bewerkstelligt werden kann.

00:34:13: Ich finde es sehr nachvollziehbar, dass diese Idee, die von Weather Underground oder den Black Panthers herrührt, dass die Limits und ja die Beschränktheiten dieser politischen Aktivitäten uns auch mal deutlich werden, was der Pinschen in dem, zumindest grob zu grundlegenden Roman Weinland ja auch schon getan hat, aber dass es so andere Wege gibt.

00:34:39: und die erwähnte solidarische Praxis des Zen-Meisters Benicio del Toro ist so eine ganz offensichtlich vertretende Option, die der Film stark macht.

00:34:50: und am Ende der quasi Loser-Theorist von früher.

00:34:55: Leonardo DiCaprio, mit der mit seiner Tochter, die er mithilfe vieler anderer Touretten vermag, vor dem Colonel Lockjaw und anderen Kräften und den White Supremacy-Kräften, die der Film ja auch vorführt, wie da eine Art Handover vielleicht nicht revolutionärer, aber progressiver Ideen stattfindet und wie das am Ende auch nicht in ein Walkbashing auf das hinausläuft, wie es ein bisschen bei Eddington man das Gefühl haben kann, sondern woher eine reale Option der jetzt jungen Generation, die vielleicht solche Väter und Mütter hat, vorgeführt wird.

00:35:34: Also mir kommt vor, das ist nicht einfach nur Messi-Politik, sondern ein sehr komplexer und kluger Versuch, politische Handlungsoptionen, obwohl es ein crazy Film ist, aber trotzdem am Horizont erkennbar zu machen.

00:35:51: Jetzt möchte ich noch mal auf das Genre allgemein zu sprechen kommen.

00:35:54: Ich bin zumindest der Meinung, diese drei Filme, über die wir jetzt primär gesprochen haben, kann man ein Post-COVID-Kino zusprechen mit Mercy Politics, auch so ein Protest- und Schauspiel, einen sehr schwarzen Humor, Erzählstrategien, die auch... Teilweise sehen die Länge gehen und sich dann wieder verzweigen und wie gesagt bestimmte groteske Figuren in ihr Zentrum stellen.

00:36:18: Und dann haben wir sowas wie Catwin Bigelow's A House of Dynamite, der, wie ich sagen würde, eher sein Post-Nine-Eleven-Kino zugesprochen werden kann.

00:36:30: Einen eigentlich ein sehr klar strukturierte Police-Thriller, der eine Atomaregefahr am Horizont aufmacht.

00:36:38: Was ist denn deine Haltung zu Hause auf deiner Meite?

00:36:41: Ich erwarte mal von dieser Filmemacherin eigentlich immer spannende Angebote und war sehr beeindruckt, muss ich sagen.

00:36:48: Ich habe ihn halt nur im Streaming sehen können, weil Österreich zu den unwichtigen Märkten gehört, in denen der Film nicht einmal eine proformer Kinowauswertung genießt, wie er sie doch in Deutschland, Frankreich.

00:37:00: und so weiter genießt.

00:37:01: Und ich hätte ihn gern auf einer großen Leinwand gesehen.

00:37:03: Der ist sehr geteilt, weil sie biert worden und ich war ein bisschen unsicher durch das, was ich so las und war dann umso mehr angetan, weil diese Dreifachwiederholung ein und desselben Geschehens aus drei verschiedenen Perspektiven ist, das durchaus nachvollziehbar erschienen und man kann sich, man versteht, die durchaus komplizierten Vorgänge dann auch wirklich ein bisschen besser, wenn man sie mehrfach vorgeführt bekommt.

00:37:27: Es gehört einfach zu ihm, dass sie ihn hört locker.

00:37:31: Da hat sie das ja schon demonstriert, dass sie so einen quasi pseudo-dokumentarischen, trockernen Thriller-Steal, also nicht nur bevorzugt, sondern auch sehr gut kann.

00:37:40: Ich würde die Dinge nicht gegeneinander ausspielen.

00:37:42: Ich würde von dieser Regisseurin mir auch nicht viel erwarten, wenn sie jetzt stilistisch in Richtung Jörg Oslanti muss.

00:37:50: gehen würde.

00:37:51: Aber ich würde sagen, wir haben vorher über die sechziger Jahre geredet und einer der Gründe, warum ich das faszinierend fand, war, dass es mich wirklich zurückkatapultiert hat, wieder in diese Zeit der großen Nukleadenängste, wie sie doch in Europa wie in den... USA in der Populärkultur, in der Literatur, in der Philosophie und im Kino eben auch grassierten.

00:38:12: Und da musste ich notgetrungen vielleicht an den Film Failsafe, Angriffsziel Moscow denken, in dem Henry Fonda den US-Präsidenten spielt und es steht, dass der Dritte Weltkrieg vor der Tür oder die Auslöschung der Welt durch Atombomben ist zumindest eine Option.

00:38:30: Auch ein ganz ernsthafter, harter und... backen der Film, der sich jeden Humor gewissermaßen verkneift.

00:38:38: Und im gleichen Jahr kam der schon erwähnte Dr.

00:38:40: Strange Love raus, der es wagt, eine ähnliche Konstellation, eine ähnliche Situation mit diesem extremistischen Spiel, mit diesem schwarzen Humor, mit diesem, man kann es ja gar nicht fassen, Haltung und das Volk zu bringen.

00:38:56: Das war der erfolgreichere der beiden Filme, Fellsafe war kein großer Hit.

00:39:01: Ich habe mir dann gedacht, okay, One Battle After Another ist natürlich thematisch jetzt nicht besonders nahe an Dingen wie Dr.

00:39:09: Strangelove, aber die zwei Filme, nämlich einerseits One Battle After Another von Anderson und House of Dynamite von Bigelow, kommen wir jetzt auch vor wie zwei Partner im selben Jahr.

00:39:20: Der eine arbeitet mit diesem Karikaturhaften, also wenn man sich an Dr.

00:39:24: Strangelove erinnert, die Peter Sellers Figur, den immer der rechte Arm zum Hitlergruß ausrutscht.

00:39:29: als quasi werden Herr von Braun vieles mehr.

00:39:32: Der wagt diese seltsame, aber bezwingende Stilistik und die andere, um nichts weniger relevant.

00:39:40: Bigelow macht etwas, so wie Sidney Lumet damals mit Felsafe.

00:39:44: Das heißt, wenn man das Kino anschaut und sich fragt, hat das Kino ... etwas zu sagen, zu diesem Alarmzustand, in dem sich die Welt oder viele Menschen zumindest auf der Welt derzeit befinden, dann würde ich anhand dieser Beispiele, wie auch damals anhand der beiden Beispiele des Jahres nineteen vierundsechzig sagen, ja das Kino hat weiterhin eine Menge zu sagen und tut es legitimerweise mit sehr verschiedenen stilistischen Mitteln.

00:40:10: Ich würde dann diese beiden als die Repräsentanten eines ernsthaft poetischen Redens über die politischen und gesellschaftlichen Krisen heute ansehen und den Bougonia und vor allem Eidington mit etwas mehr Zweifeln belegen, ob das wirklich die zielführenden Arten und Weisen des politischen Redens über die Gegenwart sind.

00:40:32: Jetzt hast du schon vorgegriffen auf unseren Abschluss.

00:40:35: Ich wollte nämlich ein Ranking haben, best to burst.

00:40:39: Dann gehe ich mal davon aus, dass das in deinem Fall ist, wenn du es nochmal wiederholen kannst.

00:40:43: Für mich ist wirklich One Battle after another einer der großen Filme der letzten zehn Jahre.

00:40:48: Und ich mag die Filme von Paul Thomas Anderson immer mehr oder weniger sehr.

00:40:54: Der Master war mein bisheriger Lieblingsfilm, der tritt jetzt neben dem Master als meinen bisherigen Lieblingsfilm.

00:41:01: Ich würde dann wahrscheinlich House of Dynamite nennen, Bugonia.

00:41:04: Also unterhaltsam ist er sowieso.

00:41:06: Er ist ein bisschen so ein Modellfilm.

00:41:08: Es ist ein bisschen so ein Bubenfilm, sich auch vielleicht in irgendeinem Keller oder so einem Jugendzimmer sich am Boden mit Bauglötzen eine Welt ausmalen.

00:41:17: Da ist das Foto, die Folterkammer ist dort, die Frau, die wir zu entführen drachten, ist da.

00:41:23: Und der ganze Film hat ein bisschen so was.

00:41:26: So ein Gedankenmodell.

00:41:27: Das zieht er aber natürlich sehr... gekonnt durch, hat fantastische Darsteller dafür.

00:41:33: Ich will ihm gar nichts Böses sozusagen.

00:41:36: Das ist schon ein guter Film, aber er bewegt mich weniger vielleicht als die anderen.

00:41:42: Und Eddington würde dann, obwohl er für den vor allem am Anfang auch durchaus einiges spricht, aber der kommt nicht in diese Regionen für mich.

00:41:51: Und du, Doris?

00:41:52: Ich möchte hier noch eine Serie einbringen, nämlich Pluribus, Vince Gillian, der Wirklich auch da eine Dimension natürlich auch, würde ich jetzt einmal so in dieser Bougogne-Eidingen politische Verschwörung, aber nicht quasi in der Ernsthaftigkeit eine absolute Empfehlung.

00:42:10: Es ist schrill, es ist schräg, die Hauptdarstellerin ist super.

00:42:18: Man kann sich das absolut anschauen.

00:42:19: Man muss es gesehen

00:42:20: haben.

00:42:21: Ich warte schon als großer Fan von Better Call Saul mit Rear Seahorn und Breaking Bad.

00:42:26: Ich freue mich schon sehr darauf.

00:42:27: Ich habe nur gehört, dass die das jetzt in Stücken erst veröffentlichen.

00:42:31: Ich glaube, ich warte, aber das steht ganz oben auf meiner Liste.

00:42:35: Kurz

00:42:35: zu meinem Ranking.

00:42:36: Ich würde tatsächlich Bougogna auf Platz eins, weil ich wirklich fokussierte Kamerspieler sehr schätze und diesem Film wahnsinnig viel abgewinnen konnte, auch seinem Humor und seinem letzten.

00:42:46: Akt.

00:42:47: Den fand ich absolut treffend und wunderbar inszeniert.

00:42:51: Von Battle hatte ich einige Vorbehalte, aber ich werde die nächste Woche und das ist vielleicht ein kleiner Tipp nochmal im Gartenbau Kino auf siebzig Millimeter ansehen.

00:43:03: Genau, dann sehen wir, weil ich habe ihn auch noch in der Presse verfüllen gesehen.

00:43:07: und wenn man ihn dann mit Publikum auf siebzig Millimeter im Gartenbau Kino sieht, Könnte es anders einen anderen Effekt haben auf mich.

00:43:17: Pluribus, tolle Serie.

00:43:20: Ich liebe Winskeligen und Rear Sihon in der Hauptrolle absolut top.

00:43:24: und ja, enden das bei mir leider auch eher abgeschlagen auf

00:43:28: einem letzteren

00:43:29: Platz.

00:43:30: Ja, es können nicht alles wiegen.

00:43:33: Wir vielleicht schon, weil unser Podcast ist damit am Ende.

00:43:37: Ich sage vielen lieben Dank für's Dasein Alexander Horwart.

00:43:41: Und das Initieren der ersten Film-Edition Valérie.

00:43:45: Das geht auf deine Kappe.

00:43:47: Ja, danke.

00:43:47: Ich hoffe, dass es noch weitere Folgen

00:43:49: gibt.

00:43:49: Das hoffe ich doch auch sehr.

00:43:51: Ja, und das war's schon wieder mit Serien Reif.

00:43:53: Wenn euch dieser Podcast gefällt und euch diese Sondersendung gefallen hat, dann hinterlasst gerne einen Kommentar und empfehlt uns auf allen sozialen Plattformen weiter.

00:44:04: Und ganz grundsätzlich freuen wir uns sehr über eine fünf-Sterne-Bewertung, damit ihr keine Folge verpasst.

00:44:10: Abonniert uns, wo immer ihr eure Podcast hört.

00:44:13: Wir danken Schallt Wilhelm an den Regeln

00:44:17: und euch

00:44:17: fürs Zuhören.

00:44:18: Bis zum nächsten Mal und frohes Schauen.

00:44:19: Bye Bye.