Serienreif

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Der STANDARD-Podcast über Serien und alles, was dazugehört

Transkript

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00:00:00: Im Juni lässt sich zumindest ein Wetterphänomen mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen.

00:00:10: Es kommt vermehrt zu Regenbögen.

00:00:12: "Juni ist Pride Month und vielerorts wird die Regenbogenfahne als Symbol der queeren Community gehisst."

00:00:26: Ich bin Doris Prishing und ich bin Michael Steingruber. Ihr hört Serien, reift im Podcast über die bunte Welt der Serien.

00:00:32: Passend zum Pride Month geht es bei uns heute um Queerness in Serien.

00:00:36: Und auch heute haben wir wieder jemanden zu Gast bei uns im Studio.

00:00:39: Sie kennt sich mit der Thematik aus wie keine andere.

00:00:43: Sie haben Film und Medienwissenschaftlerin Andrea Breitz zu Gast. Hallo, liebe Andrea.

00:00:48: Hallo, liebe Doris. Hallo, lieber Michael. Happy Pride Month.

00:00:51: Erst mal und herzlichen Dank für die Einladung.

00:00:54: Danke, dass du dir Zeit genommen hast und Happy Pride Month auch.

00:00:57: Queerness in Serien, da gibt es ja viele Beispiele dafür, aber nicht immer kommt das so gut an.

00:01:02: Als aktuelles Beispiel habe ich die Science Fiction-Serie Dr. Hu mitgenommen.

00:01:07: Da hat die aktuelle Staffel mit vergleichsweise schlechten Quoten zu kämpfen.

00:01:11: Kein Wundersagen-Kritiker, Schulterern sei eine Überdosis an Wokeness.

00:01:15: Der Dr. Hu ist diesmal schwarz und queer, gespielt wieder von Nshuti Gatwa, den wir schon aus Sex Education kennen.

00:01:23: Es ist nicht das erste Mal, dass Figuren oder Storylines, die auf Diversität zielen, Kritik nach sich ziehen.

00:01:30: Was ist denn da der Grund dafür? Ist das eine kleine Gruppe, die ein Problem hat, sich da ein bisschen anzupassen?

00:01:36: Oder gibt es irgendwie auch so etwas wie eine Überdosis und der Anführungszeichen,

00:01:40: die nicht zu Toleranz führt, sondern irgendwie eine Reaktanz beim Publikum hervorruft?

00:01:45: Also was es übergibt, ist eine Überdosis-Homophobie und Rassismus in unserer Gesellschaft.

00:01:51: Und im Zweifelsfall ist das immer verantwortlich für alles Mögliche.

00:01:56: Gerade was den Gebrauch des Begriffs der Wokeness oder wenn etwas zu woke ist, das hört man ja auf.

00:02:04: Das ist für dich ganz fatal, wenn hier der Rassismus in ein irgendwie modern klingendes Vokabel verpackt wird

00:02:13: und adektivisch verwendet wird, was komplett im Gegensatz eigentlich auch zur Erfindung dieses Begriffs stand.

00:02:23: Also ich habe keine Ahnung, woran es liegt, wenn dieses Jahr ja nicht den gehofften Erfolg erzielte,

00:02:30: aber dass etwas zu woke oder zu queer ist. Also mir ist es persönlich noch nicht untergekommen.

00:02:36: Mir kommt ja vor, dass die Begriffe woke und queer gleich bedeutend verwendet werden.

00:02:41: Lieber Andrea, was würdest du sagen? Wohin unterscheiden sich diese Begriffe?

00:02:45: Naja, ich glaube, was ähnlich ist, ist wirklich das Ressentiment dagegen.

00:02:49: Also in einem Fall, also im Fall von woke, es kommt ja aus der Pop-Kultur, aus der Popmusik eigentlich,

00:02:57: wo Eric Abadou das verwendet hat, let's stay woke, ja, also lasst uns wachsam sein gegen den Rassismus in den USA

00:03:04: und wo das mittlerweile einfach zu so einem fast wie Schimpfwort oder seiner Abwertung gegen Menschen verwendet wird,

00:03:12: die sich für Antirassismus einsetzen. Und ebenso ist das natürlich auch bei queer.

00:03:18: Weil queer ist ja auch eine, muss man eigentlich sagen, eine Intervention gegen Identitätspolitik.

00:03:26: Die ist Ende der 90er avanciert oder Ende der 80er eigentlich sogar mit To the Butler Queer Theory,

00:03:33: also wo es darum geht, etwas zu queeren, also wo eigentlich eine Verwendung als ein Verb ganz wichtig war.

00:03:43: Und dieses adjektivische, diese Zuschreibung, das kriegt dann quasi ein Eigenleben,

00:03:49: da kann man jetzt ganz lange drüber sprechen, aber ich weiß eigentlich, man weiß oft überhaupt nicht,

00:03:55: was damit gemeint ist eigentlich, wenn jemand sagt, das ist queer oder auch ich bin queer oder so, ne?

00:04:02: Also, vielleicht kann ich dazu aber doch noch ausführen, dass mir dieser Begriff natürlich schon sehr viel bedeutet,

00:04:11: weil wir gerade auch die Geschichte des queeren österreichischen Kinos oder der Medien beforschen in einem Projekt,

00:04:18: das Queers in den Ostscher heißt und was wir hier war, nicht suchen sind so genannte queere Filme oder queere Medien,

00:04:27: sondern wir beforschen Schaustrategien von LGBTIQ identifizierten Personen und diese Schaustrategien sind es, die Medien queer machen.

00:04:39: Was sind Schaustrategien?

00:04:41: Schaustrategien ist das, wie wir das anschauen, was wir im Kino sehen, was wir im Fernsehen sehen

00:04:48: und da gibt es ganz unterschiedliche Leisen, wie wir uns zu dem, was wir sehen, ins Verhältnis setzen können.

00:04:55: Da können wir uns einerseits identifizieren, das ist vielleicht eine der klassischsten Schaustrategien.

00:05:01: Wir können uns abwenden, wir können uns fremdschämen, weil wir was sehen, was zwar uns darstellen soll,

00:05:08: aber in einer Weise es darstellt, was uns cringing lässt, cringing ist auch eine Schaustrategie.

00:05:15: Da gibt es ganz viele oder zum Beispiel, aneignen, aproprieren, da werden wir heute auch noch sicher viel darüber sprechen.

00:05:22: Also, wenn wir uns etwas aneignen, was überhaupt nicht für uns gedacht war.

00:05:27: Und bei diesem Forschungsprojekt, du sagst, seit wann läuft das jetzt schon?

00:05:31: Das läuft seit einem Jahr und wir wollen wirklich die österreichische Filmgeschichte seit 1906.

00:05:37: Also, da gab es die erste Filmfirma in Österreich, Saturnfilm, eine Porno-Filmfirma

00:05:43: und seit dem Punkt wollen wir uns sozusagen alles anschauen und abklopfen an das, was es hergibt, an queerer Filmgeschichtsschreibung.

00:05:52: Also, Film und auch Bewegtbild.

00:05:54: Genau. Jeden wie das Bewegtbild, also auch Fernsehmomente, aber auch Arbeiten, die auf Kunstuniversitäten entstanden sind in Ausstellungskontexten.

00:06:05: Unser Thema ist es Serien und Streaming. Wir können vielleicht noch darauf zurückkommen, weil ich finde es spannend.

00:06:11: Und jetzt gerade, was eben halt in Österreich im Fernsehen oder im Streaming passiert ist in dem Thema Queerness, bleiben wir mal vorweg bei den aktuellen Serien und die es uns so vordringlich geht.

00:06:22: Wie lässt sich die queere Repräsentanz in Serien aktuell beschreiben?

00:06:27: Naja, also in den letzten Jahren, und das ist glaube ich nicht so einfach, deine Bestimmung vorzunehmen, seit wann das ist.

00:06:35: Aber es ist definitiv eine Diversifizierung, hat stattgefunden, ne?

00:06:41: Also, wenn wir uns das vor Augen halten, was wir dazu sehen kriegen, dann sind das Andersets Serien, die Teenager und Coming of Age sehr stark zentrieren, aber auch sozusagen,

00:06:55: und zwar auch aus unterschiedlichen Kontexten, also ich denke da an Euphoria Andersets, Heartstopper Andersets.

00:07:01: Aber wir sehen auch sozusagen Sachen wie Hex oder der White Lotus, also wo wir ganz starke auch lesbische oder queere Protagonistinnen haben,

00:07:13: die in einem, sag ich einmal, Queernormal präsentiert werden, also wo es nicht darum geht, dass Homosexualität das Problem ist.

00:07:22: Aber wir haben dann auch Serien, wo ganze Staffeln mit einer sozusagen, mit einer Seitennarration, ich denke an Ted Lasso zum Beispiel,

00:07:33: mit einem auch überraschenden lesbischen Paar irgendwie aufwarten, das schon comedymäßig präsentiert wird, wie es die Serie verlangt, aber was auch ganz anders ist wieder.

00:07:46: Ja, also wir haben eine Diversität und das ist sicher das, was prägend ist in der Gegenwart.

00:07:52: Du hast jetzt schon viele Beispiele genannt, sind das alles Positivbeispiele aus deiner Warte, wo gelingt denn die Darstellung, wie ihre Figuren oder Themen gut aktuell?

00:08:02: Ja, das ist natürlich eine fiese Frage, fies insofern, weil man die ja eigentlich nur subjektiv beantworten kann.

00:08:09: Also ich weiß nicht, das ist auch ein Thema natürlich, nämlich das Thema nach der positivem Repräsentation, dass wir auch so ein bisschen Adapter gelegt haben eigentlich, weil da kann man nicht gewinnen.

00:08:22: Was ist das? Was ist sozusagen ein positiver Lebensentwurf positiv, ein positiv queerer Lebensentwurf? Sind das die Verheirateten-Schulen aus Modern Family oder ist das sozusagen der wahnsinnig coole Superstar aus Euphoria?

00:08:40: Also dieses Bedürfnis nach positiver Repräsentation ist, glaube ich, schwierig.

00:08:44: Wir können ja sehr gerne auf einer subjektiven Ebene bleiben.

00:08:47: Für mich positiv sind alle Darstellungen, die jetzt so, ich würde sagen, nebenbei passieren, wo das jetzt nicht so ein Label ist, dass einer Figur aufgedrückt wird,

00:08:56: eben weil, mir kommt manchmal vor, gerade bei Netflix-Produktionen, dass das echt so eine Checkbox ist, so, ah ja, wir brauchen noch irgendwie die queere Person und das fühlt sich oft für mich nicht so authentisch an hingegen.

00:09:08: Also es ist jetzt keine Serie, aber bei "Glass Onion", diesem Krimi-Film mit Daniel Craig, wo nur ganz kurz irgendwie so nebenbei eigentlich irgendwie gezeigt wird, dass er mit Hugh Grant verheiratet ist und das ist einfach so, wird halt eingeführt und das ganz normal ist ja auch kein gutes Wort, aber irgendwie wird nicht als Label verwendet, das finde ich eine gute Repräsentanz.

00:09:27: Ja, das stimmt sicher, dass es im Eines gibt mittlerweile so viel, dass es auch viel, viel verschiedenes gut gibt. Also eine Repräsentation oder eine Erzählung, die mir schon wahnsinnig gut gefällt, ist die aus Heartstopper, einfach weil wir hier extrem sympathisch und realistisch dargestellte Charakter auch haben, weil wir das Thema Klasse haben, weil wir das Thema Neurodiversität und Trans haben und alles in einer ziemlich gut verpackt.

00:09:57: Und verwobenen Erzählungen und andererseits haben wir aber auch Hacks mit einer super lustigen, lesbischen oder bisexuellen Hauptfigur, wo auch die Chemie super stimmt, also wo sozusagen auch viel Bittgeness und Bösartigkeit dabei ist und wo auch die ältere Protagonistin etwas zeigt, an dem so eine Perspektive auf diese jungen Kühe gibt.

00:10:27: Und man kann auch wirklich mal die Queren, die auch wahnsinnig lustig ist, anzuschauen und einzunehmen ist.

00:10:31: Du hast jetzt gesagt, Heartstopper und realistisch, das fand ich interessant, weil für mich ist es irgendwie so unrealistisch, aber es stört mich gar nicht, weil unrealistisch in dem Sinne, weil da gibt es ja keinen Drama, das ist so für mich das wirklich Wohlfühlformat schlechthin, dass irgendwie alles geht immer gut aus, es ist irgendwie auch wenig Homophobie da in diesem Kontext der Schule.

00:10:52: Und es stört mich nicht, weil ich finde, es ist irgendwie vielleicht auch so, man kann irgendwie als ältere queere Person diese Jugend-Erfahrungen mitmachen, die hetero-sexuelle Jugendliche haben.

00:11:03: Und darum stört mich das unrealistische gar nicht so, wie gern bei Schitt's Creek zum Beispiel, das wurde ja auch dezidiert irgendwie eine homophobiefreie Welt erfunden, aber das wollte ich nur dazu sagen, weil du meintest "realistisch".

00:11:15: Ja, realistisch ist sowieso auch immer ein falsches Wort, also ich nehme es zurück.

00:11:21: Aber so was nicht gemeint.

00:11:23: Ja, doch, doch, du hast recht.

00:11:24: Aber was wir haben, ist so was wie ein Close but not Deep, ja, das ist ein Begriff, der von Heather Love geprägt wurde und das bezeichnet sowas wie ein neues Cool von, also Cool, New Cool von queeren Serien oder auch queeren Filmemacherinnen und Hartstopper, würde ich dazu zählen, eben dieses "Ohne Drama", also ich mein totales Drama.

00:11:49: Aber wie gehen die Leute durch, eben ohne Drama und wir sehen das auch im zeitgenössischen österreichischen Film schaffen zum Beispiel.

00:11:56: Marie-Louise Lena, die auch den Teddy-Publicums-Preis in Berlin abgeräumt hat mit ihrem Spielfilm-Debüt, würde ich auch dazu zählen, New Cool.

00:12:05: Also junge Leute, die durch diese Coming of Age-Dramen gehen, die aber nicht komplett auseinanderfallen und auch bedroht werden oder die sozusagen auch eine Stärke haben,

00:12:18: um mit diesen Krisen umzugehen und das ist das, was jetzt Interessant ist oder das ist das, was gezeigt werden soll.

00:12:26: Zählt es New Cool eigentlich immer auf Identifikation ab, wenn man schon eben von den Schaustrategien spricht?

00:12:33: Gute Frage, ich bin mir nicht ganz sicher, weil dieses New Cool oder dieses "Close but not deep" ist ja eigentlich ein Gegenentwurf zum Identifizieren.

00:12:46: Identifizieren heißt ja auch ein Stück weit sich verlieren in einer größer idealisiert dargestellten Figur auf der Leinwand im Fernsehschirm.

00:12:58: Und dieses New Cool ist eigentlich so eine Distanznahme und schon ein empathisches Zuschauen, also das würde ich definitiv sagen, es ist effektiv,

00:13:09: aber es ist nicht sozusagen dieses Identifizieren im Sinne von sich da verlieren, indem aufgehen oder auch seine Projektionsfläche finden.

00:13:19: Hartstopper ist da wirklich ein super Beispiel, weil wir da mit diesen Comiceleventen auch immer dieses Zeichen haben "Hallo, ich bin eine mediale Repräsentation", also wenn da diese gezeichneten Herzen und so weiter kommen.

00:13:31: Also auch eine Comicverfilmung.

00:13:33: Genau.

00:13:34: Doris, was sind denn für dich gut dargestellte queere Inhalte in Serien?

00:13:38: Naja, die kommt auch immer wieder vor. Gentleman Jack, ich liebe Gentleman Jack, das ist eine Serie, die, das habe ich auch immer wieder, die lässt mein Herz hüpfen.

00:13:47: Wenn man traurig ist, dann soll man sich sie anschauen. Schon alleine dieser Rhythmus, bei dem man mit muss, das ist die Endlister, die eben im 19. Jahrhundert auf Eroberungsfeld zugehst, um es mal so zu formulieren.

00:13:59: Die zweite Serie, die ich wirklich sehr gerne mag, eben genau aus diesem Grund des Queer Normals, von dem du Andrea schon gesprochen hast, das ist Weidschill.

00:14:09: Die Hauptrolle spielt witzigerweise die selbe Schauspielerin, das ist die Soran Jones und die ist eine superhochdottierte Ermittlerin, bei Scotland Yard oder irgendein Geheimdienst.

00:14:23: Ich glaube, es ist mir eher Scotland Yard, weil sie eben in höchsten Kreisen ermittelt. In der ersten Staffel geht es um ein U-Boot, wo ein Mord passiert.

00:14:32: Und sie hat eine Frau, also die Amy Silver, begibt sich dann auf das Boot und ermittelt dort und an Land ist ihre Frau, die auch im selben Verein arbeitet wie sie und die kommunizieren privat und beruflich.

00:14:46: Und das Schöne oder was anders ist, ist, dass diese Beziehung nicht scheitern muss.

00:14:52: Das heißt ja ganz oft, dass die erfolgreiche Frau eben halt dann mit einem Mann ist und der Mann akzeptiert das nicht und dann gibt sie eh Probleme und bla.

00:15:01: Könnte man es glauben, also bei Gleichgeschlechtlichen muss das auch so sein und das ist aber nicht, sondern die halten super zusammen und treiben eben halt die Ermittlung voran und stellen auch alle Ermittler eigentlich bloß und das finde ich super.

00:15:15: Aber was du jetzt sagst, das bringen uns vielleicht so eine weiteren Schauschstrategie, das ist so, ich höre da schon so was raus, wie so eine Faszination für eine Schauspielerin oder vielleicht fast für einen Schwarm, liebe Doris, weil da ist schon, ja, das ist schon etwas sehr verbreitetes auch und das ist etwas, was mich persönlich auch immer wahnsinnig fasziniert.

00:15:38: Und ich kann da berichten von der Serie Borgern, also ob ihr euch halt die noch erinnern könnt, ich war derartig verliebt in die Hauptdarstellerin und ich weiß nicht einmal den Namen der Schauspielerin, das war mir alles komplett egal, ich war einfach bitter.

00:15:53: Den weiß ich, den merke ich mir auf ewig gesagt, Sitze, Barbet, Knutzen.

00:15:57: Und das war so intensiv, dass ich auch, wenn ich nicht geschaut habe und im Alltag unterwegs war, irgendwie sie war immer präsent, sie war immer bei mir, es war wirklich it was a crush.

00:16:12: Und das ist auch, ich glaube das ist total was Wichtiges, dass wir nicht immer auf die Serientexte schauen und wo wird da wie was dargestellt und so, sondern wir müssen das auch ernst nehmen, nämlich uns als Zuschauer oder die LGBTQ Community als Zuschauer.

00:16:31: Und was da effektiv mit Fernsehtexten passiert, die eben überhaupt keine Intention vielleicht haben, sich an ein queeres Publikum zu richten und das finde ich oft, mir bereitet das noch viel mehr Freude.

00:16:46: Da gibt es auch noch andere Sachen, die man da zitieren könnte, Nashville zum Beispiel mit der wunderbaren Conny Britain oder Ozark mit der Loreline, die habe ich auch endlich begeistert.

00:16:59: Ich war total in Shane verknallt aus die L-Wörth und der hätte ich mich aufreißen lassen, aber so war es.

00:17:05: Ja, da warst du glaube ich die einzige auf der ganzen Welt, die in Shane verknallt war.

00:17:11: Ja, ja, ich weiß. Ich bin mir deshalb froh. Andrea Scherzheit. Michael, jetzt musst du raus.

00:17:20: Ich überleg schon die ganze Zeit.

00:17:21: Wir haben gelernt, das sind parasoziale Interaktionen nämlich, also die in die Realität hinüberreichen.

00:17:27: Ja, spontan fällt mir ein, wir haben letztens, du hast darüber schon gesprochen, auf Petro Pascal können wir uns alle einigen und da bin ich irgendwie auch ganz teenage crushmäßig, wenn der irgendwo auf Social Media wieder im popkulturellen Kuh landet.

00:17:42: Du wärst einer gerne aus The Last of Us und wenn es ein Zombie wäre.

00:17:46: Ein Zombie, der Ihnen nachläuft.

00:17:48: Nein, aber ich finde der Strahl sowas total untoxisches aus und irgendwie auch, weil man ja nicht genau weiß in welche Richtung der orientiert ist und man muss das ja auch nicht wissen, aber der ist irgendwie, ich glaube, der ist super und fesch obendrein.

00:18:04: Und sicher ganz lieb.

00:18:07: Ja, das klingt so ironisch, ich glaube das ist wirklich lieb.

00:18:11: Nein, ich glaube auch, dass der lieb ist.

00:18:13: Die Feschen sind doch immer lieb.

00:18:15: Genau, das ist ja nichts neu.

00:18:17: Wir haben über New and Cool gesprochen, reden wir über Alt und Ancool, was sind die schlimmsten Queer Serien?

00:18:28: Ich wollte auch gar sagen, also jetzt müssen wir aber auch in den Anfang gehen, der Anfang ist, aber das hat jetzt ihr sicher schon ganz oft in eurem Podcast, der Anfang der Serie ist natürlich Dallas und Dynasty.

00:18:41: Und da habe ich auch ein bisschen, die Doris schaut verwundert.

00:18:45: Ich kenne die auswendig, aber es fällt mir jetzt ad hoc nicht ein.

00:18:49: Dallas ist ja die Frühere, also in uns Texas und so weiter und da gibt es wirklich eine ziemlich schlimme Nebenerzählung, wo Lucy, also die Schwester von JR, die Blonde Lucy einen verlobten hat und der verlobte dann die Verlobung auflöst.

00:19:10: Und Bobby, Bobby Joing gesteht, er muss das tun, weil er homosexuell ist und er hätte es probiert mit Lucy, aber er wird kein anderer und dann sozusagen entzündet sich dieses ganze Drama an Homophoben allem, was es dazu bieten hat und das sehen wir in Dallas.

00:19:30: Also sozusagen diese ganze Abwertung, Verachtung, Charme, also Charme von allen Lucy, aber auch der Verlobte.

00:19:39: Und dann haben wir Dynasty, also etwas spät.

00:19:41: Das mir jetzt eingefallen, Stephen.

00:19:43: Stephen, Stephen Carrington und Stephen Carrington ist sowas wie die, also das Urbild eigentlich, des schwulen Sohnes in der Familien-Serie und auch wieder hier ausgestattet mit allem, was an Homophoben-Charakteristika dazugehört mit Charme und so weiter.

00:20:04: Wie eine Krankheit eher selbst will es eigentlich nicht sein, sonst sowieso auch niemand.

00:20:10: Auch dieses, was mich da immer beschäftigt hat eigentlich war dieses Verhältnis zwischen Vater und Sohn, das einerseits natürlich von Hass und Verachtung geprägt ist, seitens des Vaters, aber auch da ist so eine Chemie zwischen den beiden, die sowas homosoziales auch ist.

00:20:27: Also ist vielleicht der Vater doch auch irgendwie verliebt in den Sohn.

00:20:31: Also das ist alles ganz gruselig und schlimmer geht es eigentlich gar nicht mehr und man schaut das so an und man vergisst das eigentlich, dass das da eine Rolle spielt.

00:20:41: Und doch kriegt man es quasi gefüttert.

00:20:44: Also ich habe das ja gesehen, man war das 80er Jahre, da war ich ja noch ganz jung, also ganz jung auch wieder nicht.

00:20:52: Wir waren jung und haben vielleicht gar nicht so genau gewusst, was da gespielt wird, aber haben halt das mitgenommen.

00:21:02: Und dann kam Karsten Flöter, Lindenstraße.

00:21:05: Dann kam natürlich die Lindenstraße und das ist das Faszinierende, finde ich, an diesen long Duré-Serie in Lindenstraße ist anders.

00:21:14: Aber auch, und dann müssen wir noch darüber sprechen, ob ihr wollt, sondern nicht der Bergdoktor, dass wir durch diese langen familiären Serien Beziehungsgeflechte bekommen,

00:21:26: wo kleine Sätze, kleine Gesten ganz viel bedeuten, weil wir diese Personen seit Jahren oder Jahrzehnten schon kennen.

00:21:35: Und das ist einfach wirklich ganz groß und Karsten aus der Lindenstraße war schon paradigmatisch.

00:21:43: Und die Kronenzeitung hat berichtet.

00:21:46: Genau, ja.

00:21:47: Aber was war mit dem Bergdoktor?

00:21:49: Also der Bergdoktor, das hat mir vorübergegangen.

00:21:55: Also der Bergdoktor hat, ich glaube es ist Staffel 14, wo es wirklich ein lesbisches Subthema gibt, also wo eine Ärztin aus dem Krankenhaus sich als lesbisch herausstellt.

00:22:08: Das ist zwar einerseits ein Comic Relief, weil der andere Arzt so irgendwie auf sie gestanden ist und die Ehe war da schon quasi bedroht von dieser Verliebtheit,

00:22:19: aber dann doch sozusagen kann das ja gar nicht gehen, weil die glücklich lesbisch ist gut.

00:22:24: Und dann gibt es immer wieder Folgen im Bergdoktor, die wirklich, also ich muss sagen, bemerkenswert gescriptet sind.

00:22:33: Da gibt es eine Doppelfolge mit zwei alten Männern, zwei 70-jährigen Männern, die als junge Männer eine Beziehung hatten und die einander wieder treffen.

00:22:44: Und das ist wirklich, also was sozusagen deutsches Fernsehen betrifft, eine sehr bemerkenswerte Folge, die man sich unbedingt anschauen muss,

00:22:55: weil hier auch da gibt es auch immer wieder Rückblenden und es ist sozusagen einerseits wird so diese innere Homophobie, diese innere Kampf sozusagen dargestellt.

00:23:04: Und es wird aber auch vom Umfeld, also vom Martin Gruber und seinem Bruder, die das als Jugendliche mitgekriegt haben, da wird auch irgendwie immer gezeigt,

00:23:14: wie die das gesehen haben, ist wirklich eine total interessante und komplexe Angelegenheit, also überraschend komplex für sozusagen dieses Szenario

00:23:24: und insofern bemerkenswert.

00:23:29: Größe in der Queeren Welt. Ja anscheinend, war mir nicht bewusst. Ich muss noch nachfragen,

00:23:35: du hast gesagt eben bei diesen lang laufenden Soap-Operas im weitesten Sinne, dass dann jeder

00:23:41: kleine Satz eine große Bedeutung hat. Kannst du dein Beispiel dafür nennen oder was bedeutet das?

00:23:45: Also das ist glaube ich bei, also Lindenstraße ist da wirklich das beste Beispiel. Ich bin kein,

00:23:52: wie heißen eigentlich diese Lindenstraßen-Fans, so wie die Track ist von Star Trek, die Lindy ist.

00:23:58: Also ich bin keine Linde. Linde oben. Ich hatte einmal eine Phase, ein Jahr oder so wie ich

00:24:08: Lindenstraße geschaut habe und es ist aber wirklich so, dass du steigst irgendwann ein und

00:24:14: eigentlich macht nichts Sinn. Weil man ja diese Geschichte nicht kennt, dann braucht man jemand,

00:24:20: der sie erklärt, im besten Falle und wo wirklich dann ja auch in den Dialogen immer

00:24:28: Bezug genommen wird auf die innerdiagentische Vergangenheit. Und somit werden ja die Fans,

00:24:35: die Lindy ist, oder die Track ist, ab jetzt Lindy ist, bedient, weil das ist ja auch der

00:24:42: große Schaugennuss, dass man da diese Referenzen erkennt und diese kleinen Geste,

00:24:47: kleinen Wörter. Wie siehst du denn die Queerness in österreichischen Serien dagegen wart?

00:24:53: Das ist natürlich ein Thema, da könnten wir uns nicht so lange unterhalten. Es gibt Bista,

00:25:02: wo gerade meine Kollegin mich darauf aufmerksam gemacht hat, wo es eine queere Figur gibt.

00:25:08: Ansonsten haben wir in den, also was weiß ich, Vorstadt Weibern oder in diesen Serien,

00:25:15: in diesen eher aktuelleren ist jetzt eher weniger. Also nicht jetzt meines Wissens Songkontests,

00:25:23: da sind wir immer gut vertreten, was die Queerness betrifft. Das ist schon erstaunlich,

00:25:31: oder? Ich meine, dass man das nicht darauf keinen Wert legt. Weil wenn man jetzt beispielsweise

00:25:36: sehr in das Deutschland hernimmt, da ist es, also würde ich jetzt einmal sagen, die Präsenz ist

00:25:42: gegeben, sie ist vorhanden, also in allem. Also wenn ich jetzt diese ZDF nehme und natürlich auch die

00:25:48: jüngeren Serien, ich würde es auch nicht, aber beispielsweise eben, dass man zum Beispiel so

00:25:53: was wie in eine Serie, wie die Chefin, eine permanente, queere Figur reinschreibt, nichts

00:26:00: einfacher als das würde man meinen, oder? Aber es passiert nicht. Das beobachte ich auch. Also es

00:26:05: gibt immer wieder eine Tatortfolge, auch eine österreich Tatortfolge, wo es eine,

00:26:10: oft muss man leider sagen, nicht wahnsinnig gut gescriptete queere Szenerie oder so gibt,

00:26:18: oder eine Disposition. Also da gab es, ich glaube vor, im letzten Jahr gab es einen Tatort,

00:26:25: einen krassenitzer Tatort, wo es ein queeres Opfer gab. Aber wo schon auch ganz gut dargestellt

00:26:31: wurde, also sozusagen die, nicht, dass Opfer wird, oder die queere Person wird nicht Opfer seiner

00:26:38: eigenen Queerness, sondern der homophoben Umwelt. Also ich glaube, da ging es um einen Geliebten,

00:26:44: der sich nicht outen konnte und erpresst wurde und so. Aber auch wieder ein eher klassischer Top-Boss.

00:26:53: Aber woran liegt diese Rückständigkeit, also dass man darauf keinen Wert legt, dass das vorkommt?

00:26:58: Diversität ist so in, oder? Naja, jetzt könnte man natürlich so was Plattes sagen wie

00:27:05: Katholizismus, rechte Gesinnung. Also es ist schon, Österreich ist jetzt nicht ein

00:27:13: gesellschaftspolitisch, würde ich mal sagen, an der Armangad der Progressivität stehendes Land,

00:27:20: wo quasi auch Gesetze gegen die Diskriminierung von queeren Menschen seit Jahrzehnten abgeschafft

00:27:27: wurden. Also ganz im Gegenteil, von sich aus wurde in Österreich überhaupt nichts abgeschafft,

00:27:32: das wurde alles erzwungen vom europäischen Gerichtshof. Ich glaube, das spiegelt sich ja

00:27:38: wieder. Also das Filme machen, das Fernsehen machen ist ja Teil einer gesellschaftlichen

00:27:45: Disposition. Mich wundert es schon ein bisschen, weil ich würde jetzt mal behaupten, gerade beim

00:27:50: ORF in der aktuellen Situation gibt es, also was die Programmdirektion betrifft, durchaus auch

00:27:55: Leute sitzen, die man als fortschrittlich sehen kann. Deswegen ist es mir ein bisschen, ehrlich

00:28:03: gesagt, ein Rätsel, warum da nicht mehr passiert. Ja, also liebe Doraus, du sitzt an der besseren

00:28:07: Stelle hier, um da mal nachzufragen. Muss ich wieder die Arbeit machen. Ich fürchte, weil da sind wir

00:28:15: in der Film- und Medienwissenschaft, also die Fragen, die können wir immer schlecht beantworten,

00:28:20: da sind die aus der Publicistik auch. Aber deine Beobachtung ist schon die, dass Österreich in

00:28:28: diesen Belangen einen Rückstand aufzuweisen hat. Das kann man jetzt aus filmwissenschaftlicher Sicht

00:28:34: durchaus behaupten. Ja, also was diese einbetrifft, auf alle Fälle. Man muss aber auch sagen, dass

00:28:41: es vielleicht ein Stück wert genre-bedingt ist. Also die Serien, die in Österreich lange leben,

00:28:48: haben immer einen Comedyfaktor, also auch eigentlich fast alle Krimi-Formate, haben sozusagen

00:28:56: das Comedy-Sidekick. Also das ist auch, ich finde das auch immer schrecklich. Und in so einem

00:29:04: rhetorischen Framing ist man eigentlich froh, weißt du, dass da keine queere junge Kollegin

00:29:10: oder ein Leichenbeschauer der Schule ist vorhanden, weil man möchte es gar nicht ausmalen, wie sie

00:29:17: dargestellt werden. Ich finde ja auch, ich möchte noch zu der Klischee-Falle irgendwie das Sex and the

00:29:22: City-Universum ins Spiel bringen, obwohl das ja irgendwie auch als so eine, zumindest gay-Icon-Serie

00:29:28: gehandelt wird. Aber eigentlich ist die Darstellung total aus meiner subjektiven Warte irgendwie

00:29:33: teilweise problematisch. Es gibt halt auch das Klischee, das Schwulenbestenfreundes, der aber

00:29:38: irgendwie auch ein bisschen sowas Alpernes immer hat, Stanford. Oder bei And Just Like That finde

00:29:43: ich es überhaupt extrem schwierig. Da werden wirklich alle so Checkboxen abgearbeitet. Da gibt

00:29:48: die Tochter von Charlotte, Rose, beziehungsweise Rock, die dann, ich weiß nicht, ich glaube,

00:29:53: Agenda sich outet. Aber das ist alles so anbiedern in meiner Wahrnehmung. Oder auch Jay, die Non-Binary

00:29:59: Podcast-Person, finde ich auch, also das strotzt alles nur so von Klischee, sobald das zeitgenössisch

00:30:05: ist. Wie siehst du denn das, Andrea, als Fachfrau? Ja, also da bin ich also ganz bei dir. Also das

00:30:12: ist auch, da wird einfach bedient. Das ist auch, glaube ich, geschuldet. Einem Drehbuch schreiben,

00:30:17: das wirklich hier, also Box-Ticking betreibt und da, wo auch nicht Leute mitwirken, ja, also die da

00:30:25: sozusagen eine tiefere Agenda hätten oder so. Also interessanter muss ich sagen, finde ich sowas

00:30:30: wie Modern Family, wo dieses schwule Paar, also das ist ein Comedy, das ist sitcom, das ist auch

00:30:39: überzeichnet, das ist auch klischeehaft. Aber die zeigen, das ist irgendwie doch interessant, ja,

00:30:45: weil die zeigen einerseits so eine ganz, diese heterosexuelle Normalität auf Schwul, ja, also ein

00:30:53: schwules verheiratetes Paar, gut situiert, adoptieren eine Tochter. Aber die zeigen eine Art von

00:31:00: Männlichkeit, die doch quasi so was wie eine Alternative zu heterosexueller Männlichkeit ist und

00:31:06: nicht eine quasi minderwertigere oder so, das ist das eine. Das andere ist, es werden doch viele

00:31:14: Themen auch durchexerziert, was Ablösung von der Vaterfigur betrifft, was auch sozusagen dieses

00:31:21: Outsein, auch diese wunderbare Tuntigkeit, ja, also das ist sozusagen, also diese Hyperfemininity,

00:31:29: die so in Verruf geraten ist und die wir hier aber in seiner zeitgenössischen oder so, so ganz

00:31:37: zeitgenössischen ist es auch nicht mehr Art und Weise sehen, also das finde ich, ich kann mir das

00:31:41: total gut anschauen, ich finde es auch schreienklustig oft und das finde ich irgendwie interessant.

00:31:46: Was wir im Zusammenhang mit der ganzen Thematik auch noch besprechen sollten, ist der Begriff

00:31:52: der Queercoded Figuren, was versteht man denn darunter und hast du da ein Beispiel dafür?

00:31:56: Also Queercoded, ja, es ist jetzt nicht so in meinem Wortschatz, ehrlicherweise, also ich würde

00:32:04: da Queercoded vielleicht auch im Sinne von einem diffraktiven Schauen sehen. Was heißt diffraktives?

00:32:11: Naja, das heißt, wenn wir in Texten mehr die Relationen sehen, also sowas wie intertextuelles,

00:32:17: ja, ich gebe dir ein Beispiel, vielleicht kommen wir dahin, wenn ich mir heute sowas wie

00:32:22: "Fleischteins" anschaue, das ist kein queerer Film. Das ist eigentlich ein Tanzfilm, der eine

00:32:30: Romcom ist, wo in ziemlich antifeministischer Art und Weise der Boss einer Frau ihr dazu verhilft,

00:32:39: dass sie ihren Traum leben kann und nur dadurch, also so. Aber dann haben wir, ja, dann ist Phänomen

00:32:49: Nummer 1, ganz oft vergessen wir, dass es da diesen Typ gibt, der wir innen uns an "Fleischteins"

00:32:56: denken nur an Jennifer Beals und haben komplett vergessen, dass da noch sein Mann mitspielt.

00:33:01: Gut, das ist schon so, da wird was kodiert. Dann geht es weiter natürlich mit, wenn wir das heute

00:33:07: anschauen, haben wir L-Word im Kopf und Jennifer Beals ist L-Word und wir zwar immer noch keine

00:33:13: lesbische Schauspielerin, aber ein starker Ally und es beginnt eine Kodierung retrospektiv.

00:33:20: Es ist auch ein Phänomen, das mich wahnsinnig interessiert. Also wir schauen ja immer auch

00:33:25: in einer historischen Kontingenz, also in einer historischen Unterschiedlichkeit und das muss

00:33:31: man damit bedenken. Und dann haben wir jetzt noch dazu den Film von Kathroara "What a Feeling",

00:33:36: die erste österreichische lesbische Romcom 2024, also auch arg, wenn man das einmal so theoretisch

00:33:45: formulieren darf, auch arg, dass es so lange dauert hat und da spielt dieser Song und auch Jennifer

00:33:51: Beals wieder eine assoziative Rolle und das, glaube ich, könnte man unter wiehre Kodierung auch

00:33:58: verstehen. Wir sind da irgendwie die Disney-Bösewichte eingefallen, also die Mehrhexe Ursula, die von

00:34:05: Drag Queen Divine inspiriert ist oder Jafar, der böse Zauberer in Aladdin oder Scar, der Bruder von

00:34:12: Mufasa in Lion King, die haben alle irgendwie so Eigenschaften von, in dem Fall, schwul Männern,

00:34:18: die irgendwie dann quasi als negative Eigenschaften des Bösewichts irgendwie dargestellt werden,

00:34:24: die sind nicht dezidiert queer, aber im Queer Code, das meinte ich, damit ist das ein Phänomen,

00:34:28: das klar, ja, das ist sozusagen, ja, ja, klar, das ist auch, also das kennen wir noch aus Zeiten des

00:34:35: Haste Code, also wo sozusagen in Hollywood die hetw. Assoziation von sexueller Aktivität,

00:34:42: gar schon homosexuelle Aktivität verboten wurde in einer Art Selbstsensur und die queeren Inhalte

00:34:50: nur mehr angesprochen oder eluded oder nur mehr assoziativ, ganz in der Ferne angestellt wurden,

00:34:57: auch Zauberer von Oz oder so, das sind dann auch diese Beispiele, wo auch Offenschwule,

00:35:04: Drehbuchautoren und Drehbuchautoren das irgendwie rein schwindeln, ja. Und das gibt es

00:35:10: definitiv bis heute und da gibt es natürlich auch Leute, die sich da sehr, sehr gerne mit dem

00:35:18: auch beschäftigen und das zu dekorieren versuchen. Ich finde das immer nicht ganz unproblematisch,

00:35:25: weil man einerseits da sehr oft diese negativen Klischeebilder quasi aufstöbert und auch in

00:35:32: der Interpretation dann reaktualisiert und weil man andererseits da oft so einen biografischen

00:35:38: Ansatz wählt, weil man sagt, okay, da war ein Drehbuchautor, der war schwul und der hat das da

00:35:44: reingeschrieben, reingeschwindelt und ja, das mag sein oder auch nicht und ich bin ja immer so jemand,

00:35:52: die von ganz stark von den Rezeptionsweisen her kommt. Und wenn man das sieht, dann ist es da,

00:35:59: ja, aber wenn man es nicht sieht, dann halt nicht. Womit wir wieder dabei werden. Du hast vorhin

00:36:08: schon L-Word angesprochen, eben, es gibt ja auch diese Serien, die quasi unter Anfangszeichen für

00:36:13: ein queeres Publikum geschrieben worden sind, eben zum Beispiel auch Queer as Folk oder aktuell

00:36:18: overcompensating oder Hardstop hatten wir auch schon, kann man das so als Queerspaces im Bewegt

00:36:23: Bild verstehen oder ist das vielleicht irgendwie eine auch problematische Abschottung, die da

00:36:28: passiert, so quasi die Queer haben ihre eigenen Serien und die anderen die anderen. Also die L-Word

00:36:34: war schon eine Ausnahme und wirklich paradigmatisch auch für die auch was die Produktion betrifft,

00:36:42: weil da haben wir eine doch mit relativ viel Geld produzierte Serie, die auch vielen Regisseurinnen

00:36:49: und Regisseuren des Queersinema eine Arbeit gegeben hat, also so muss man es einfach auch einmal

00:36:54: sagen, die auch Schauspielerinnen wirklich bekannt gemacht hat. Daniel Sieh zum Beispiel ist auch

00:37:01: eine wichtige Figur her und wo, glaube ich schon, was umgesetzt wurde, was ganz neu war und das war

00:37:08: sicher sowas wie wenn du sagst ein Queerspace, weil das ist natürlich, also eine Freundin aus

00:37:14: LE hat übrigens gesagt, das ist so absurd, die treffen sich die ganze Zeit, in LE trifft sich

00:37:19: niemand, weil man soweit auseinander wohnt, wie soll das gehen, dass man sich da ständig

00:37:24: in so eine komplette Utopie und insofern ein Paradies, also ein Lesbenparadies,

00:37:34: dass wir uns imaginieren und dafür natürlich wichtig ist, ja, also dieser Fantasieraspekt und

00:37:41: über die Fortsetzung muss man schweigen oder? Findest du? Nein, also, ja. Wird so generell,

00:37:49: also teilweise schon, weil teilweise fällt man da schon einiges ein, was ich nicht so spannend

00:37:57: gefunden habe und ihr? Von der Darstellung her oder vom... Von den Plots. Also die Nachfolgerinnen

00:38:03: habe ich alle, vielleicht hängt das auch mit meiner Schäen-Narischheit zusammen, aber die

00:38:08: habe ich alle nicht interessiert. Zu wenig Schäen, ja. Also ich habe es schon ganz gut gefunden,

00:38:14: wieder die Generation C quasi auf dem Plantritt und wie wir auch Non-Binary-Thematiken und

00:38:21: Trans-Thematiken und wie wir natürlich auch eine Form von Intersektionalität sehen, die, also das

00:38:28: ist schon, finde ich, ganz gut gemacht gewesen auf der Drehbruch-Ebene, aber ja... Es war mehr Soap,

00:38:35: einfach, es war viel mehr Soap. Ja, gut, also über L-Word müssen wir eine eigene Folge machen,

00:38:41: glaube ich. Also das ist ja, das muss man alles auch nochmal anschauen, glaube ich. Mach ja nicht.

00:38:45: Da viel vergessen, aber da gab es doch diese eine Staffel, wo alles quasi... Driften ab. Ja,

00:38:54: wir driften ab, wo alles so... Egal, ja. Wo was? Wo alles so auf der Mieter-Ebene war, wo die gefilmt

00:39:00: haben. Die haben Jenny Shackters Roman über die L-Word verfilmt und das war alles umset. Da

00:39:08: kannst du dich nicht mehr erinnern, das war... Nein, aber das ist wirklich schon lange her. Aber gut.

00:39:11: Mach mal eine eigene Folge, glaube ich. Ja, ist gescheit, dass man das vergisst. Einen Hinweis,

00:39:18: einen überraschenden Hinweis, Andrea, hast du uns gegeben. Darauf werden wir so von selber

00:39:23: auch nicht gekommen, dass nämlich Kevin Costner, eine in der lesbischen Community sehr beliebte

00:39:28: Figur, soll ich sagen, ist. Woher kommt denn das? Warum glaubst du, ist es so? Vor allem auch jetzt

00:39:35: gibt es aktuelle Vorwürfe. Soll bei einem Dreh, soll er mehr oder weniger die Distanz regeln,

00:39:41: missachtet haben und deine Kollegin eine Vergewaltigung, wie sagt man vorgezeigt? Wie drehe ich

00:39:48: eine Vergewaltigung und das auf unangemessene Art und Weise vermittelt haben. Wie ist Kevin

00:39:54: Costner in der lesbischen Community einzuordnen? Also das ist natürlich, nach der Vorlage kann

00:40:01: man das eigentlich dann nur mehr abstreiten. Ich bin mir auch überhaupt nicht sicher, dass das so

00:40:07: ist. Das ist so eine Behauptung, ich sage mal, die normative Kraft des Faktischen. Was bei Kevin

00:40:14: Costner oder auch Bruce Willis zutrifft, könnte man benennen mit der Imitation von

00:40:21: Female Masculinity. Also das sind Stars, die Männlichkeiten darstellen, die Butchmännlichkeiten

00:40:31: oder Butchweiblichkeiten von Lesben imitieren. So könnte man das sehen. Also man sagt nicht,

00:40:37: Butchlesben imitieren Kevin Costner, sondern ich schaue mir Yellowstone an und sage, das

00:40:42: ist eine billige, aber immerhin, Abklatsch einer super Butchlesbe, okay, toxisch mag sein, aber

00:40:52: natürlich ist das sowas wie so eine Stone Butchness auch dran. Diese harte Schale und ich

00:40:58: rede jetzt nicht von dem Schauspieler, sondern wirklich von der Figur und auch nicht von der

00:41:03: Persönlichkeit Kevin Costner, sondern was der da in dieser Serie Yellowstone darstellt. Also

00:41:08: sozusagen dieser wilde Westen, dieser Graubäu, diese sozusagen Unterdringbarkeit und aber auch eine

00:41:15: Art von sehr, sehr versteckter Empathie, Fähigkeit vielleicht auch und das, da macht es irgendwie

00:41:23: klick oder kann es klick machen. Und das ist natürlich, ist das auch irgendwie doof vielleicht,

00:41:29: wenn man das sagt oder auch skurril, aber ich finde solche Lesarten oder solche Schausstrategien auch

00:41:36: wichtig, weil sie so einer toxischen Männlichkeit auch an Kraft wegnehmen. Wenn wir sagen, was Kevin

00:41:44: Costner da macht, das ist eine billige Imitation einer super lesbischen Butchness, das ist so wie,

00:41:53: wenn man sagt, der Penis ist das Imitat des Dildos und nicht umgekehrt. Weil der Penis kann

00:42:00: so viele Dinge nicht, die ein Dildo ganz wunderbar kann. Und das ist sozusagen die Perspektive.

00:42:06: Wahnsinn. Großartig. Ja, wir müssen anders denken. Und zwar von Anfang an. Was gibt es da

00:42:12: Darstellungen, Repräsentanz, Queerer, Menschen und Reality TV zu sagen? Ja, also mir fallen da so ein

00:42:19: paar Sachen ein. Also einerseits, dieses Bauer sucht Mann, Mann in dem Fall. Aber eigentlich viel

00:42:26: mehr so was wie diese Show-Formate wie Repulse Drag Race. Also ich glaube, das ist wirklich auch,

00:42:33: was das Serielle betrifft. Sie hat Diskurs prägend, weil das hat einerseits Drag wirklich zu einer

00:42:39: medialen Aufmerksamkeit verholfen und auch sozusagen eine so eine Visualität und Ästhetik

00:42:47: vom was Fernsehen oder was diese Talente-Shows können, einfach auch gebracht. Weil es so

00:42:54: spektakulär wie Repulse Drag Race. Also da kann heute Klum ja sowas von. Also die Transthematik,

00:43:01: die Diskussion und Transidentitäten war ja da auch ein spezielles Thema, weil RuPaul da in die

00:43:06: Kritik geraten ist, weil da nur cis Männer quasi als angemessen oder valide Teilnehmer gesehen

00:43:13: hat und das hat sich jetzt geändert. Genau. Und auch die ganze Queer oder Gay-Lingo, also so spezielle

00:43:18: Begriffe wurden da ja auch irgendwie in eine breite Öffentlichkeit getragen durch die Show.

00:43:23: Gibt es eine eigene Folge, lieber zuhören und zuhören? Ah, okay, super, toll, sehr gut. Na ja,

00:43:30: und eins, finde ich, muss man auch noch erwähnen und das ist die Schlagerszene. Also Florian Silber

00:43:39: Essen mit seiner Schlagershow ist jetzt kein queerer Ort per se, glaube ich, aber einmal bin

00:43:47: ich da wirklich beim Zeppen drüber gestolpert. Es war 2018, glaube ich, und es war just am

00:43:54: Moment der erste Auftritt von Kerstin Ott in dieser Show, wo sie Regenbogenfarben singt. Ihr

00:44:01: kennt es wahrscheinlich gar nicht, aber es ist sozusagen wirklich so, dass es mit Kerstin Ott

00:44:07: eine absolut tolle Buttschlässe gibt, die sehr, sehr, sehr berühmt ist in dieser Helene Fischer

00:44:15: Schlagerwelt und die mit diesem Song Regenbogenfarben in dieser Show auftritt und ich mit meiner

00:44:21: Frau vom Fernseher gesessen bin und wir konnten es nicht fassen und das finde ich sehr spezielle

00:44:27: Momente. Und im Zelt haben alle mitgeklagt. Nein, das ist ja nicht, das ist ja in der Show-Halle, das ist ja in der Dortmund-Halle.

00:44:35: Da sind auch in der Dortmund-Halle klatscht man her. Ja, ja, da singen alle mit, da werden ja die,

00:44:40: es ist ja karaoke quasi, weil die Texte auch projiziert werden und das finde ich auch ganz,

00:44:47: ganz spannende Momente. Also wenn man wirklich in einem homofeindlichen Mainstream Setting diese

00:44:53: Momente hat, wo etwas rausbricht, wo auch eine, also das ist auch was absolut rührendes. Also

00:45:00: finde ich leider vielleicht, oder das ist auch so eine Affektivität, die eben Fernsehen auch kann.

00:45:07: Also das kann nicht nur das Kino, sondern das kann auch das serielle Fernsehen und das...

00:45:13: Ihr habt bei Florian Silber Eisen geweint. Ja, quasi, quasi.

00:45:21: Ja, wer hätte das gedacht? Bergdoktor, Schlager, Kevin Costner, sind queere Themen.

00:45:27: Da lebt man sich Andrea Breitner und sagt, ich würde es so umdrehen.

00:45:32: Zum Schluss, liebe Andrea, möchten wir von dir nach ein paar Empfehlungen für queere Serien die ultimative

00:45:38: Watchlist für den Pride Month quasi. Das ist nicht einfach, weil jetzt haben wir ja eh schon

00:45:43: alles durchbesprochen. Einfach deine Top 3, die man unbedingt schauen muss. Genau.

00:45:49: Oder Entschuldigung, was? Nein, nein, eh, also drei werden eh super,

00:45:51: immer für ein Monat sind drei total wenig. Also, welche hättest du?

00:45:56: Also Hotstop, dann nachschauen, die L-Word, so alle Staffeln, um einfach wieder reinzukommen

00:46:04: und dann Young Royals, über das haben wir gar nicht gesprochen, aber das finde ich auch

00:46:09: interessant. Gibt es auch interessante Nebenfiguren und es auch gut zum Reingipen.

00:46:15: Und Gentleman Check. Ja, und Gentleman Check. Ja, vielen Dank, liebe Andrea.

00:46:21: Ich danke euch, vielen Dank fürs tolle Gespräch. Ja, und auch euch, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen,

00:46:27: vielen Dank und Happy Pride. Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, freuen wir uns über eine

00:46:33: fünf Sterne Bewertung. Folgt uns, wo auch immer ihr eure Podcasts hört. Wir danken Florentina,

00:46:38: Ebner an den Reglern und euch fürs Zuhören. Freus schauen, bis zum nächsten Mal, bye-bye.

00:46:43: Bye-bye.